„Was zehn Leute in einer Facebook-Gruppe schreiben, muss stimmen“
Leider nein. Gerade in Auswanderergruppen entsteht erstaunlich schnell eine vermeintliche Wahrheit. Einer schreibt etwas, mehrere bestätigen es aus dem Gedächtnis, jemand anderes hat „genau dasselbe gehört“ und kurze Zeit später wird die Behauptung als Tatsache weitergegeben. Besonders beliebt sind Sätze wie „Das ist hier Gesetz“, „Das macht jeder so“, „Das geht definitiv nicht“, „Das wurde gerade geändert“ oder „Ich kenne jemanden bei der Behörde“. Nichts davon ist ein Beleg. Eine persönliche Erfahrung kann vollkommen wahr sein und trotzdem keine allgemeingültige Regel darstellen. Ein Sachbearbeiter kann einen bestimmten Nachweis verlangt haben, ein anderer Fall kann völlig anders gelagert sein und manche Information war vielleicht vor fünf Jahren richtig und ist längst überholt. Aus „Bei mir war es so“ wird in sozialen Netzwerken viel zu schnell „In Bulgarien ist es so“.
Nicht jede falsche Aussage ist deshalb automatisch eine Lüge. Menschen irren sich, erinnern sich falsch oder geben etwas weiter ohne es selbst überprüft zu haben. Problematischer wird es wenn Halbwahrheiten bewusst verbreitet, wichtige Informationen weggelassen oder nachweislich falsche Behauptungen immer wiederholt werden. Dafür kann es durchaus Motive geben, Angst und Empörung bringen Aufmerksamkeit, spektakuläre Geschichten werden häufiger geteilt und manchmal steckt sogar ein wirtschaftliches Interesse dahinter. Wer den Eindruck vermittelt ein Behördengang sei unglaublich kompliziert oder ohne Beziehungen praktisch unmöglich kann anschließend seine eigene kostenpflichtige Hilfe als Lösung anbieten. Aus Unwissenheit anderer kann so ein Geschäftsmodell werden.
Hundert Wiederholungen machen eine Behauptung nicht wahr
Soziale Netzwerke verstärken diesen Effekt. Eine Behauptung erscheint in einer Facebook-Gruppe, wird in die nächste kopiert, später in einem Video erzählt und irgendwann von einer Webseite übernommen. Plötzlich existieren fünf angeblich voneinander unabhängige Quellen, obwohl alle auf denselben unbelegten Beitrag zurückgehen. Deshalb interessiert mich beim Faktencheck nicht wie oft etwas behauptet wird, sondern woher die Information ursprünglich stammt und ob sie überprüfbar ist. Auch ein Screenshot ist noch kein Beweis, er kann alt, unvollständig oder aus dem Zusammenhang gerissen sein. Bei wichtigen Informationen zählen Herkunft, Datum und Kontext.
Besondere Vorsicht ist bei selbst ernannten Experten angebracht. Wer seit vielen Jahren in Bulgarien lebt besitzt möglicherweise wertvolle Erfahrungen. Daraus wird aber nicht automatisch Fachwissen über Steuerrecht, Aufenthaltsrecht, Immobilien oder Krankenversicherung. Der Satz „Ich lebe seit 15 Jahren hier, ich werde es wohl wissen“ ist keine Quelle. Seriöse Information erkennt man vielmehr daran, dass zwischen einer gesetzlichen Regelung, der tatsächlichen Verwaltungspraxis und einer persönlichen Erfahrung unterschieden wird. Genau diese drei Ebenen werden im Internet ständig miteinander vermischt.
Mein Faktencheck: Belege statt Facebook-Wahrheiten
Genau hier setzt meine Rubrik an. Ich will nicht entscheiden wer am lautesten recht haben möchte, sondern überprüfen was sich tatsächlich belegen lässt. Bei gesetzlichen Fragen suche ich nach der aktuellen Regelung und offiziellen Informationen. Bei Behördenabläufen berücksichtige ich, dass die praktische Handhabung durchaus unterschiedlich sein kann. Persönliche Erfahrungen nehme ich ernst, kennzeichne sie aber auch als solche. Besonders aufmerksam werde ich bei spektakulären Aussagen wie „Das verschweigt euch jeder“, „Die Wahrheit über Bulgarien“ oder „Das darf man öffentlich nicht sagen“. Solche Behauptungen müssen nicht automatisch falsch sein, aber wer Außergewöhnliches behauptet sollte dafür auch nachvollziehbare Belege liefern können.
Auch ich mit meinem Magazin erhebe keinen Anspruch darauf unfehlbar zu sein. Gesetze ändern sich, Verfahren werden angepasst und Informationen können veralten. Wenn sich herausstellt, dass etwas nicht mehr stimmt gehört es korrigiert. Ein Faktencheck bedeutet nicht „Ich habe immer recht“, sondern: Ich prüfe nach bestem Wissen was zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nachweisbar ist.
Wer in einer Facebook-Gruppe, einem Video oder auf einer Webseite eine zweifelhafte Behauptung über Bulgarien findet, kann sie mir deshalb schicken. Entscheidend ist für mich nicht wer etwas behauptet, sondern ob es stimmt, denn eine falsche Information ist im Internet in wenigen Sekunden geteilt. Wer danach seine Auswanderung, seine Steuern, eine Immobilie oder sein Vermögen ausrichtet kann die Folgen dagegen jahrelang tragen.
Mein Grundsatz ist deshalb einfach: Nicht glauben weil es oft genug wiederholt wurde, sondern prüfen ob es stimmt.
