Bulgariens Schwarzmeerküste – wo Auswanderer wirklich leben können
Die bulgarische Schwarzmeerküste ist rund 350 Kilometer lang und weit mehr als Sonnenstrand, Goldstrand und ein paar Wochen Sommerurlaub. Zwischen der rumänischen und der türkischen Grenze liegen Großstädte, kleine Küstenorte, Fischerdörfer, Ferienhochburgen und überraschend ruhige Regionen. Für Auswanderer bietet die Küste deshalb sehr unterschiedliche Möglichkeiten, aber längst nicht jeder schöne Urlaubsort ist auch ein guter Platz zum dauerhaften Leben.
Der Norden – rauer, ruhiger und weniger verbaut
Im Norden beginnt die Küste bei Durankulak und Shabla. Die Landschaft ist weiter, flacher und vielerorts wesentlich weniger touristisch bebaut. Rund um Kavarna und Balchik findet man kleinere Städte, Dörfer, Steilküsten und Meerblick, ohne den Trubel der großen Ferienzentren. Wer Ruhe und Natur sucht kann hier interessante Wohnorte finden.
Varna ist dagegen eine echte Großstadt und das wirtschaftliche Zentrum der nördlichen Schwarzmeerküste. Krankenhäuser, Fachärzte, Universität, Einkaufszentren, Flughafen und nahezu sämtliche Dienstleistungen sind vorhanden. Für Auswanderer die am Meer leben und trotzdem auf städtische Infrastruktur angewiesen sind, gehört Varna zu den naheliegenden Standorten.
Südlich davon folgen Byala und Obzor, bevor die Küste zunehmend touristischer wird.
Die Mitte – schön, aber stark vom Tourismus geprägt
Mit Sveti Vlas, Sonnenstrand, Nessebar, Ravda und Pomorie beginnt einer der bekanntesten Küstenabschnitte Bulgariens. Hier gibt es ein riesiges Angebot an Apartments und Ferienimmobilien. Genau deshalb sollte man bei einer Auswanderung besonders genau hinsehen.
Ein Apartmentkomplex der im Juli voller Menschen ist, kann im Januar nahezu leer sein. Restaurants und Geschäfte schließen teilweise außerhalb der Saison und manche Wohnanlagen wurden stärker für Urlauber als für dauerhaftes Wohnen geplant.
Nessebar und Pomorie besitzen dagegen eine gewachsene Bevölkerung und funktionieren wesentlich stärker als normale Städte. Weiter südlich liegt Burgas mit seiner vollständigen städtischen Infrastruktur, die auch für viele umliegende Orte wichtig ist.
Der Süden – kleinere Orte und viel Natur
Hinter Burgas verändert sich die Küste erneut. Sozopol und Chernomorets verbinden historische beziehungsweise kleinstädtische Strukturen mit starkem Sommertourismus. Weiter südlich folgen Primorsko, Kiten und Tsarevo. Hier wird die Landschaft grüner und das Strandzha-Gebirge rückt immer näher an das Schwarze Meer.
Ganz im Süden liegen Ahtopol, Sinemorets und Rezovo nahe der türkischen Grenze. Dieser Küstenabschnitt gehört zu den landschaftlich reizvollsten Gegenden Bulgariens und ist deutlich weniger städtisch geprägt. Dafür werden Infrastruktur, medizinische Versorgung und öffentlicher Verkehr dünner. Wer dort dauerhaft lebt sollte mit längeren Wegen rechnen.
Die Vor- und Nachteile der Schwarzmeerküste
Der größte Vorteil liegt auf der Hand, Meer, Strände, Natur und ein vergleichsweise angenehmes Küstenklima. Gleichzeitig gibt es mit Varna und Burgas zwei große Versorgungszentren und mehrere kleinere Städte, in denen ganzjähriges Leben problemlos möglich ist.
Die Nachteile beginnen dort wo Urlaub und Alltag verwechselt werden. Immobilien in guten Küstenlagen sind längst nicht mehr grundsätzlich billig. Im Sommer können Tourismus, Verkehr und Lärm erheblich zunehmen, während manche Ferienorte im Winter beinahe das Gegenteil erleben. Hinzu kommen Wind, Feuchtigkeit und die höhere Beanspruchung von Gebäuden durch das Meeresklima.
Für Auswanderer würde ich deshalb nicht fragen: Wo ist der schönste Strand? Viel wichtiger ist: Wo befinden sich im Januar Supermarkt, Arzt, Apotheke und Busverbindung?
Wer diese Frage berücksichtigt findet entlang der bulgarischen Schwarzmeerküste sehr unterschiedliche Möglichkeiten Von der Großstadtwohnung über das kleine Küstenstädtchen bis zum ruhigen Haus nahe dem Meer. Die Küste ist nicht ein einziger Lebensraum, sondern viele verschiedene Welten auf rund 350 Kilometern.