Zwei Bühnen in der Arena, neue Verkehrspläne, zusätzliche Nachtbusse und Helfer, die bereits für den Ernstfall trainieren: Acht Monate vor dem Eurovision Song Contest wird in Burgas sichtbar, dass aus der großen Ankündigung langsam ein reales Großprojekt wird und dieses Projekt reicht längst über die Arena hinaus.
Als Burgas im August den Zuschlag für den Eurovision Song Contest 2027 erhielt war vieles noch Zukunftsmusik. Es gab große Pläne, viele Versprechen und mindestens ebenso viele offene Fragen. Ende September sieht die Situation anders aus. Zum ersten Mal wird konkreter erkennbar, wie stark sich die Stadt auf das größte internationale Ereignis ihrer jüngeren Geschichte einstellen muss.
Und dabei geht es längst nicht mehr nur um Musik.
Zwei Bühnen und ein völlig anderes Innenleben
Besonders interessant sind die jetzt veröffentlichten Pläne für die Arena Burgas. Das mit der Umgestaltung beauftragte Architektenteam von DESET architects hat erstmals detaillierter gezeigt, wie die Halle für den Wettbewerb verändert werden könnte.
Geplant sind demnach zwei miteinander verbundene Bühnen. Die Hauptbühne soll direkten Zugang zum Backstage-Bereich erhalten, daneben ist eine zweite Bühne vorgesehen. Auch der Green Room für die Teilnehmer soll in das Konzept integriert werden.
Selbst bei der Unterbringung der Zuschauer gibt es unterschiedliche Überlegungen. Eine Variante sieht zusätzliche Sitzplätze vor. Bei einer anderen würde die Fläche der eigentlichen Arena weitgehend zum Stehplatzbereich, eher Konzert- und Clubatmosphäre als klassische Veranstaltungshalle.
Doch hinter den Fernsehbildern steckt eine zweite Welt die der Zuschauer später kaum sehen wird.
Für die Delegationen sollen eigene Bereiche mit Umkleiden, Masken- und Friseurplätzen, Produktions- und Fotostudios sowie Ruhezonen entstehen. Außerhalb der Halle ist ein Pressezentrum für rund 300 Personen vorgesehen. Dazu kommen Fotografenbereiche und Flächen für Medienauftritte.
Die Parkflächen rund um die Arena werden damit teilweise zu Arbeitsflächen für Produktion und Organisation.
Interessant ist allerdings ein Detail, nach Angaben der Architekten müssen Teile der Infrastruktur der Arena noch fertiggestellt werden. Genannt werden unter anderem ein Restaurant, Lagerräume, zusätzliche Räume für Pressekonferenzen und weitere Funktionsbereiche.
Der vorgestellte architektonische Plan ist außerdem noch nicht endgültig abgesegnet. Die Zustimmung der European Broadcasting Union steht laut der aktuellen Veröffentlichung noch aus.
Der ESC endet nicht an der Eingangstür der Arena
Mindestens genauso spannend ist deshalb das was außerhalb der Halle passiert.
Bereits im August wurde mit Arbeiten auf dem Gelände rund um die Arena begonnen. Damals waren schwere Maschinen vor Ort um Flächen herzurichten. Bürgermeister Dimitar Nikolov erklärte zudem, dass über weitere Standorte im Hafen, im Stadtzentrum und im Meeresgarten gesprochen werde. Konkretere Entscheidungen waren für Ende September angekündigt worden.
Genau an diesem Punkt wird es nun interessant.
Denn der September geht zu Ende, doch eine endgültige öffentliche Festlegung für Eurovision Village, EuroClub und weitere Veranstaltungsorte gibt es bislang weiterhin nicht. Auch die offizielle bulgarische ESC-Seite spricht noch von der nächsten Planungsphase und kündigt Einzelheiten erst für später an.
Das ist keine Kleinigkeit. Denn während die Fernsehshows am 11., 13. und 15. Mai in der Arena stattfinden wird sich ein erheblicher Teil des ESC-Lebens außerhalb der Halle abspielen.
Wo kommen Besucher zusammen? Wo finden öffentliche Veranstaltungen statt? Wie werden Zehntausende Menschen durch die Stadt bewegt und wie viel davon wird der normale Einwohner von Burgas im Alltag zu spüren bekommen?
Genau diese Fragen sind noch nicht vollständig beantwortet.
Kommt ein zweiter Nachtbus?
Dass sich die Diskussion inzwischen auf den Alltag der Stadt ausweitet zeigt eine ganz aktuelle Meldung vom 29. September.
Der Burgaser Gemeinderat Dilyan Georgiev schlägt eine zweite Nachtbuslinie sowie spezielle Fahrkarten für Besucher vor. Ziel sei ein besseres öffentliches Verkehrsangebot nach Mitternacht und eine einfachere Nutzung für Gäste der Stadt.
Noch handelt es sich um einen Vorschlag, nicht um eine beschlossene neue Buslinie. Aber allein die Diskussion zeigt wohin die Reise geht. Burgas muss für einige Wochen im Mai wie eine wesentlich größere Stadt funktionieren.
Die offizielle Planung geht sogar noch weiter. Für den ESC ist ein rund um die Uhr arbeitendes Transport Coordination Centre vorgesehen. Dort sollen unter anderem öffentlicher Verkehr, Hotels, Flughafen, Sicherheitsdienste und Veranstaltungsorganisation zusammenlaufen.
Auch Informationen über Busse, Shuttle-Verbindungen, Taxis, Fahrräder und E-Scooter sollen gebündelt werden. Konkrete Verkehrs- und Verkehrsleitsysteme sollen veröffentlicht werden sobald die Planungen abgeschlossen sind.
40 Helfer trainieren bereits für den Ernstfall
Während an einigen Stellen noch geplant wird hat an anderer Stelle die praktische Vorbereitung bereits begonnen.
Das Bulgarische Rote Kreuz in Burgas bildet 40 Freiwillige in Erster Hilfe für den Eurovision Song Contest aus. Rund die Hälfte davon gehört bereits der Organisation an, 18 Teilnehmer sind neue Freiwillige die sich über eine Onlineplattform angemeldet haben.
Die Ausbildung soll bis April laufen. Wer sie erfolgreich absolviert kann während des ESC im medizinischen Hilfsteam eingesetzt werden. Die Helfer sollen dafür ausgerüstet, versichert und in die entsprechenden Einsatzstrukturen des Roten Kreuzes aufgenommen werden.
Auch das ist eine dieser unspektakulären Meldungen die wahrscheinlich nie in einem ESC-Trailer auftauchen werden, für die tatsächliche Durchführung einer Veranstaltung dieser Größenordnung aber wesentlich wichtiger sind als Glitzer und Scheinwerfer.
Der eigentliche Test für Burgas beginnt vorher
Der Eurovision Song Contest dauert offiziell nur wenige Tage. Die Auswirkungen auf Burgas werden erheblich länger zu beobachten sein.
Straßen und Plätze müssen vorbereitet werden. Verkehrsströme müssen funktionieren. Hotels und Ferienwohnungen werden gebraucht. Sicherheits- und Rettungsdienste müssen vorbereitet sein. Journalisten, Delegationen, Techniker und Besucher müssen transportiert und versorgt werden.
Die bulgarische Regierung hatte bereits im August 20 Millionen Euro für Vorbereitungen bis zum Jahresende vorgesehen. Eine endgültige Gesamtsumme für die Austragung stand zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht fest.
Und dann gibt es noch einen Termin, der fast interessanter ist als die eigentlichen Shows im Mai.
Die Arena soll nach den im August genannten Planungen noch vor Jahresende bei einem Testkonzert auf ihre ESC-Tauglichkeit geprüft werden. Dabei sollen Experten der EBU unter anderem mögliche Probleme bei Logistik und Akustik erkennen.
Spätestens dann wird sich zeigen wie weit Burgas tatsächlich ist.