Eurovision 2027 in Burgas – Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit
Arena, Verkehr, Parkplätze und Tausende Besucher – was Burgas bis Mai 2027 stemmen muss
Die Entscheidung ist gefallen. Der Eurovision Song Contest 2027 findet in Burgas statt. Am 11. und 13. Mai werden die beiden Halbfinals ausgetragen, am 15. Mai folgt das Finale. Hinzu kommen sechs Preview-Shows. Damit wird die Arena Burgas innerhalb weniger Tage neun Veranstaltungen mit Publikum beherbergen.
Für Burgas ist das zweifellos eine außergewöhnliche Chance. Gleichzeitig beginnt jetzt der Teil, über den in der ersten Euphorie deutlich weniger gesprochen wird: Die Stadt muss innerhalb von neun Monaten die Voraussetzungen für eines der größten Live-TV-Ereignisse der Welt schaffen und dabei reicht es nicht, ein paar Eurovision-Fahnen aufzuhängen.
Die Arena Burgas muss umgebaut werden
Die erst 2023 eröffnete Arena war einer der entscheidenden Pluspunkte der Bewerbung. Trotzdem ist sie keineswegs so fertig, dass die EBU morgen mit Kameras, Lichttechnik und Bühne einziehen könnte. Die ersten Umbaupläne existieren bereits.
Nach Angaben von Miroslav Zhekov von der Stadtverwaltung soll über die gesamte Länge des Hallendaches ein sogenannter Akustik-Himmel beziehungsweise eine akustische Deckenkonstruktion eingebaut werden. Das Projekt dafür sei bereits detailliert ausgearbeitet, die Montage soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.
Das ist keine kosmetische Veränderung. Eine Sporthalle akustisch für ein international übertragenes Musikspektakel herzurichten ist eine völlig andere Aufgabe als die Ausrichtung eines Basketballspiels oder eines normalen Konzerts.
Eine gewaltige Bühne zieht in die Halle ein
Auch über die Dimensionen der Bühne gibt es inzwischen erste Angaben.
Geplant ist eine Hauptbühne am Ende der Spielfläche, ergänzt durch eine zweite Bühnenfläche. Als Größenordnung werden etwa 10 × 15 Meter bei einer möglichen Konstruktionshöhe von bis zu 18 Metern genannt. Die Arena bietet dafür eine Hallenhöhe von rund 35 bis 36 Metern.
Interessant ist vor allem die Dachkonstruktion. Nach Angaben der Stadt kann sie erhebliche zusätzliche Lasten aufnehmen. Es stehen etwa 115 Aufhängepunkte zur Verfügung, die jeweils mit bis zu 2,5 Tonnen belastet werden können, insgesamt seien bis zu 300 Tonnen zusätzliche Dachlast möglich. Das ist für den ESC entscheidend. Licht, Lautsprecher, Kameratechnik, LED-Flächen und Bühnenelemente hängen bei einer solchen Fernsehproduktion teilweise über den Köpfen von Künstlern und Publikum.
Die Arena hat also offenbar die statischen Voraussetzungen – jetzt muss daraus ein Fernsehstudio für ein Millionenpublikum werden.
Und wie viele Zuschauer passen tatsächlich hinein?
Hier wird es interessant. Die Arena besitzt bei Sportveranstaltungen rund 4.100 feste Sitzplätze und kann durch mobile Tribünen erweitert werden. Für Konzertkonfigurationen werden deutlich höhere Kapazitäten genannt. Beim ESC wird die theoretische Maximalkapazität allerdings wenig aussagekräftig sein, weil Bühne, Kameras, Technik, Sicherheitsbereiche und Produktionsflächen erhebliche Teile der Halle beanspruchen.
Für die Gestaltung des Innenraums existieren bereits mindestens zwei Varianten. In einer soll ein großer Teil der Spielfläche für stehendes Publikum genutzt werden, in einer anderen sollen dort zusätzliche Sitzplätze entstehen. Diese Pläne wurden nach Angaben der Stadt bereits den internationalen ESC-Verantwortlichen vorgelegt.
Wie viele Zuschauer am Ende tatsächlich pro Show in die Arena dürfen, ist derzeit noch nicht endgültig bekannt.
Parkplätze: 1.000 Autos lösen das Problem nicht
Die Arena verfügt nach Angaben der Stadt über rund 1.000 Besucherparkplätze. Hinzu kommen Flächen auf der Ostseite, die unter anderem Platz für bis zu 50 Busse bieten sollen. Das Parkhaus selbst erstreckt sich über drei Ebenen.
Das klingt zunächst ordentlich, für einen Eurovision Song Contest reicht es allein aber kaum. Denn gleichzeitig müssen Zuschauer, Künstler, Delegationen, Journalisten, Produktionspersonal, Sicherheitskräfte und Dienstleister zur Arena gelangen – teilweise zu unterschiedlichen Zeiten, teilweise gleichzeitig und teilweise unter besonderen Sicherheitsbedingungen.
Der ESC wird deshalb kein Ereignis sein, bei dem jeder gemütlich mit seinem Auto bis vor die Halle fährt und dort einen Parkplatz sucht.
Der öffentliche Nahverkehr muss deutlich mehr leisten
Die Stadt plant bereits während des Wettbewerbs die Transportkapazität zu verdoppeln. Außerdem sollen Straßen und Zufahrten im Umfeld der Arena verbessert werden, um die erheblich höheren Verkehrsströme bewältigen zu können.
Das dürfte einer der spannendsten Punkte der kommenden Monate werden, denn die EBU hat Burgas ausdrücklich nicht nur nach der Halle bewertet. Beim Auswahlverfahren wurden auch Verkehr, Unterkünfte, internationale Erreichbarkeit und die Fähigkeit geprüft, Tausende Künstler, Delegationsmitglieder, Produktionsmitarbeiter, Journalisten und Fans aufzunehmen.
Der Flughafen liegt nur rund zehn Kilometer vom Zentrum entfernt. Außerdem gibt es Bahn-, Bus- und Nahverkehrsverbindungen, auf dem Papier ist das eine gute Ausgangslage.
Im Mai 2027 wird sich zeigen müssen, wie belastbar dieses System tatsächlich ist.
Der ESC findet nicht nur in der Arena statt
Ein Punkt wird leicht unterschätzt: Eurovision wird sich nicht auf die Arena Burgas beschränken.
Die EBU hat bereits angekündigt, dass während der ESC-Woche ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm in der Stadt stattfinden wird. Dazu gehören unter anderem ein Eurovision Village, der EuroClub, eine Eröffnungszeremonie und weitere öffentliche Veranstaltungen. Die konkreten Orte und Programme sollen in den kommenden Monaten bekannt gegeben werden.
Damit verschiebt sich die Herausforderung von einer einzelnen Halle auf große Teile der Stadt.
Es werden Veranstaltungsflächen benötigt, Sicherheitskonzepte, Absperrungen, Sanitäranlagen, Stromversorgung, Verkehrslenkung, Beschilderung, Informationsangebote und vermutlich zusätzliche Shuttle-Verbindungen und irgendwo müssen all diese Menschen schlafen.
Hotels und Ferienwohnungen werden zum nächsten Prüfstein
Die EBU nennt die vorhandenen Übernachtungsmöglichkeiten ausdrücklich als einen Grund, warum Burgas die Bewerbung gewonnen hat. Gleichzeitig werden Tausende internationale Besucher erwartet.
Dazu kommen Delegationen, Techniker, Journalisten und Mitarbeiter die nicht nur für drei Fernsehabende anreisen. Eine ESC-Produktion beginnt lange vor der ersten Live-Show.
Gerade deshalb wird interessant sein, was in den kommenden Monaten mit den Preisen passiert.
Die ersten Entwicklungen bei Hotels und Ferienwohnungen sollten genau beobachtet werden, denn ein wirtschaftlicher Impuls für die Region ist willkommen, ein kurzfristiger Goldrausch mit Fantasiepreisen könnte dagegen genau das Bild erzeugen, das Burgas international besser vermeiden sollte.
Sicherheit wird eine Aufgabe für die ganze Stadt
Zu den bislang noch nicht detailliert veröffentlichten Punkten gehört das Sicherheitskonzept.
Bei einem internationalen Ereignis dieser Größenordnung wird es nicht allein um ein paar zusätzliche Polizisten vor der Arena gehen. Künstler, Delegationen, öffentliche Veranstaltungen, Medienbereiche, Verkehrswege und große Menschenansammlungen müssen geschützt werden.
Wie umfangreich die Sicherheitsmaßnahmen werden und welche Bereiche der Stadt davon betroffen sein werden ist bislang nicht bekannt.
Das sollte man auch klar sagen: Vieles befindet sich erst in der Planung.
Burgas hat gute Voraussetzungen – aber der Härtetest kommt erst
Die EBU begründet die Wahl von Burgas mit dem Gesamtpaket: Arena und technisches Potenzial, Unterkünfte, Verkehrsanbindung, internationale Erreichbarkeit, die Unterstützung der Stadtverwaltung und das Konzept die gesamte Stadt in das Ereignis einzubeziehen. Das ist ein bemerkenswertes Kompliment für eine Stadt dieser Größe.
Aber eine erfolgreiche Bewerbung und eine erfolgreiche Durchführung sind zwei verschiedene Dinge.
Genau hier wird es für mich interessant, nicht die Frage wer im Mai zwölf Punkte bekommt. Sondern: Schafft Burgas das? Was wird dafür verändert? Was kostet es? Wo entstehen Probleme? Und was bleibt der Stadt, wenn die Kameras wieder abgebaut sind?
Diese Fragen werde ich in den kommenden Monaten verfolgen, denn der Eurovision Song Contest 2027 dauert nur wenige Tage, aber Für Burgas hat er bereits begonnen.
