ESC-Goldrausch in Burgas – Wenn eine bestätigte Buchung plötzlich nicht mehr zählt
18. August 2026
Eine Nachricht meiner Leserin Nicole zeigt, welche unangenehmen Begleiterscheinungen der ESC 2027 in Burgas bereits jetzt mit sich bringt. Nicole hatte über Airbnb eine Unterkunft in Burgas gebucht – noch bevor überhaupt bekannt war, dass der Eurovision Song Contest 2027 hier stattfinden wird, die Buchung war bestätigt. Nun wurde sie vom Vermieter überraschend storniert.
Nicole schreibt mir:
„Wir hatten über Airbnb bereits eine Unterkunft für den ESC in Burgas gebucht und zwar noch bevor bekannt wurde, dass der ESC dort stattfinden wird. Heute wurde diese Buchung nun völlig überraschend und vonseiten des Vermieters storniert.“
Eine ähnliche Erfahrung hatte sie bereits bei der Unterkunftssuche in Sofia gemacht:
„Damals wurde uns mitgeteilt, dass der in der Anzeige angegebene Preis nicht mehr aktuell sei. Der neue Preis lag anschließend beim Zehnfachen des ursprünglich ausgewiesenen Betrags.“
Was hinter der Stornierung in Burgas tatsächlich steckt wissen wir nicht. Dem Vermieter ohne Belege zu unterstellen, er habe ausschließlich wegen des ESC und der Aussicht auf höhere Einnahmen storniert, wäre nicht seriös. Der zeitliche Zusammenhang wirft allerdings Fragen auf.
Seit feststeht, dass der ESC 2027 nach Burgas kommt sind bei Unterkünften teilweise Preise aufgetaucht, die mit einer normalen touristischen Nachfrage kaum noch etwas zu tun haben. Offenbar versuchen manche Anbieter zunächst auszuloten, was während der ESC-Tage überhaupt durchsetzbar ist. Ein extrem hoher Preis kann dabei auch ein Test sein. Findet sich jemand der ihn bezahlt hat sich das Pokern gelohnt, bleibt die Unterkunft leer kann der Preis später immer noch gesenkt werden.
Problematisch wird es dort wo bereits bestätigte Buchungen ins Spiel kommen. Wer seine Unterkunft Monate im Voraus zu einem normalen Preis anbietet und eine Reservierung akzeptiert, sollte sich meiner Meinung nach anschließend auch daran gebunden fühlen – unabhängig davon ob die gleiche Wohnung nach Bekanntgabe eines Großereignisses plötzlich für ein Vielfaches angeboten werden könnte.
Nicole bringt das eigentliche Problem ihrer Erfahrung sehr treffend auf den Punkt:
„Die Preise die mittlerweile für Airbnb-Unterkünfte rund um den ESC aufgerufen werden sind wirklich jenseits von gut und böse. Es ist sehr schade, dass offenbar versucht wird aus diesem besonderen Ereignis möglichst viel Profit zu schlagen. Der ESC sollte Menschen zusammenbringen und ein Gefühl des Willkommenseins vermitteln und nicht durch eine solche exzessive Preisgestaltung genau dieses Gefühl zerstören.“
Genau darin liegt die Gefahr für Burgas. Natürlich dürfen Vermieter während eines internationalen Großereignisses höhere Preise verlangen. Angebot und Nachfrage gehören zum Geschäft. Aber zwischen einem angemessenen Aufschlag und einem plötzlich aufgerufenen Fantasiepreis liegt ein gewaltiger Unterschied.
Vor allem sollte man die derzeitigen Mondpreise nicht mit dem tatsächlichen Preisniveau im Mai 2027 verwechseln. Noch wird ausprobiert, spekuliert und gepokert. Nicht jeder Wunschpreis wird am Markt durchsetzbar sein. Bleiben überteuerte Unterkünfte ungebucht, werden viele Anbieter ihre Vorstellungen zwangsläufig wieder korrigieren müssen.
Der kurzfristige ESC-Goldrausch könnte einigen Vermietern ein gutes Geschäft bescheren. Übertreibt man es jedoch kann der Schaden größer sein als der zusätzliche Gewinn. Denn Besucher erinnern sich nicht nur an Musik, Strand und eine schöne Stadt. Sie erinnern sich auch daran wie sie behandelt wurden.
Burgas hat mit dem ESC 2027 die einmalige Chance sich einem riesigen internationalen Publikum als gastfreundliche Stadt am Schwarzen Meer zu präsentieren. Es wäre ausgesprochen schade, wenn ausgerechnet einige Unterkunftsanbieter den ersten Eindruck schon Monate vorher mit Stornierungen und Mondpreisen beschädigen würden.
Nicole beendet ihre Nachricht übrigens trotz ihrer schlechten Erfahrungen ausgesprochen fair:
„Trotz allem wünsche ich Ihnen und allen Beteiligten von Herzen ein großartiges ESC-Event ‚united by music‘.“
Dem kann ich mich nur anschließen. United by Music – hoffentlich nicht getrennt durch den Preis einer Übernachtung.
