Immer mehr Kriegsdrohnen vor Bulgariens Küste – was ist im Schwarzen Meer los?
An Bulgariens Schwarzmeerküste werden derzeit auffällig häufig Drohnen und Teile unbemannter Fluggeräte gefunden. Sie treiben im Meer, werden an Strände gespült oder von Fischern und Badegästen entdeckt. Besonders betroffen ist auch unsere Region rund um Burgas, Pomorie, Sozopol, Primorsko, Tsarevo und Ahtopol. Was zunächst nach einzelnen ungewöhnlichen Funden aussah, entwickelt sich 2026 zunehmend zu einem Begleitphänomen des Krieges in der Ukraine.
Bereits seit dem Frühjahr wurden entlang der bulgarischen Küste immer wieder Drohnen oder Wrackteile entdeckt. Im Sommer nahm die Zahl der Meldungen deutlich zu. Funde gab es unter anderem bei Kraimorie, Nessebar, Primorsko, Lozenets, Tsarevo, Varvara, Ahtopol, Chernomorets und Pomorie sowie an zahlreichen Stellen der nördlichen Schwarzmeerküste. Anfang September musste die bulgarische Marine erneut mehrfach ausrücken. Im Bereich Maslen Nos, vor Sozopol und mehrere Seemeilen vor Burgas wurden im Wasser treibende Drohnen entdeckt und kontrolliert zerstört. Am Strand von Pomorie wurden außerdem Teile eines militärischen unbemannten Fluggeräts gefunden.
Nach Angaben der bulgarischen Behörden handelt es sich bei vielen dieser Objekte um militärische Aufklärungs- oder Köderdrohnen. Unter den identifizierten Geräten befinden sich auch Modelle russischer Herkunft, gleichzeitig wurden ukrainische Teile festgestellt. Bei stark beschädigten Wracks lässt sich die Herkunft teilweise nicht mehr sicher bestimmen. Hinweise darauf, dass Bulgarien gezielt mit diesen Drohnen angeflogen wird, gibt es bislang nicht.
Die wahrscheinlichste Erklärung liegt einige Hundert Kilometer weiter nördlich. Über dem Schwarzen Meer und der ukrainischen Küstenregion findet inzwischen ein intensiver Drohnenkrieg statt. Fluggeräte werden abgeschossen, durch elektronische Gegenmaßnahmen gestört, beschädigt oder stürzen aus anderen Gründen ins Meer. Da viele Drohnen aus leichten Verbundwerkstoffen und Kunststoffen bestehen, können Teile davon lange schwimmen. Wind, Wellengang und Meeresströmungen transportieren sie anschließend über große Entfernungen. Eine Drohne, die heute bei Pomorie angeschwemmt wird, muss deshalb keineswegs vor Burgas abgestürzt sein.
Ungefährlich sind die Funde trotzdem nicht automatisch. Bei vielen bisher untersuchten Drohnen wurde zwar kein Sprengstoff festgestellt, bei anderen konnte eine explosive Ladung jedoch nicht ausgeschlossen werden. Einige Objekte wurden deshalb von Spezialisten der Marine direkt am Fundort oder im Meer kontrolliert zerstört.
Wer am Strand oder im Wasser eine Drohne beziehungsweise ein verdächtiges militärisches Wrackteil entdeckt, sollte deshalb Abstand halten, nichts anfassen oder bewegen und die Behörden über 112 verständigen.
Panik ist deswegen nicht angebracht. Die Funde zeigen aber eindrucksvoll, wie weit die materiellen Folgen des Ukrainekrieges inzwischen reichen. Bulgarien ist kein Kriegsgebiet und es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass unser Land Ziel dieser Drohnen ist. Trotzdem landen die Überreste dieses Krieges mittlerweile regelmäßig an unserer Küste.
Für uns hier in Burgas ist der Krieg damit manchmal näher, als es die Entfernung zur Ukraine vermuten lässt. Ein kleines Stück davon schwimmt inzwischen buchstäblich bis vor unsere Haustür.
