Gerade erst eröffnet – neues Hamburger Hotel wird zur Flüchtlingsunterkunft
Manchmal gibt es Nachrichten, bei denen ich zweimal hinschauen muss, weil ich zunächst glaube, etwas falsch verstanden zu haben. Diese gehört für mich dazu: Das erst Anfang Mai 2026 eröffnete „Holiday Inn – the niu Quay Hamburg Harburg“ im Harburger Binnenhafen soll bereits wenige Monate nach seiner Eröffnung nicht mehr regulär als Hotel betrieben werden. Ab September sollen dort rund 340 Geflüchtete aus der Ukraine untergebracht werden. Das gesamte Haus mit seinen rund 150 Zimmern und Apartments soll dafür genutzt werden, Betreiber der Unterkunft wird nach Medienberichten das städtische Sozialunternehmen Fördern & Wohnen.
Ich muss sagen, dass mich diese Nachricht wirklich entsetzt. Und damit meine ich ausdrücklich nicht die Menschen aus der Ukraine, die vor einem Krieg geflohen sind und selbstverständlich eine vernünftige Unterkunft brauchen. Mich entsetzt vielmehr die Frage, welche Dimensionen die staatlich finanzierte Unterbringung inzwischen angenommen hat und mit welcher Selbstverständlichkeit offenbar selbst nagelneue Hotels dafür in Betracht kommen. Der NDR nennt für ein reguläres Standard-Doppelzimmer in diesem Hotel einen Preis von etwa 124 Euro pro Nacht. Das bedeutet zwar nicht, dass die Stadt nun genau diesen Betrag bezahlt – die tatsächlichen Konditionen des Vertrages sind bislang nicht öffentlich bekannt –, aber allein diese Größenordnung lässt mich aufhorchen.
Noch weiter geht das Harburger Nachrichtenportal „harburg-aktuell“. Dort heißt es, der Vertrag dürfte sich für die Hotelkette lohnen, da sie für die Übernachtungen angeblich sogar doppelt so viel kassieren könne wie bei gewöhnlichen Hotelgästen. Ob diese Behauptung tatsächlich zutrifft, lässt sich derzeit nicht unabhängig belegen. Und gerade deshalb gehört der Vertrag meiner Meinung nach auf den Tisch. Was bezahlt die Stadt Hamburg tatsächlich für die Unterbringung? Wie hoch ist der vereinbarte Betrag pro Zimmer oder pro Person und Nacht, welche zusätzlichen Leistungen sind darin enthalten und wie lange läuft dieser Vertrag?
Denn wenn hier tatsächlich mehr als 120 Euro pro Nacht und Zimmer oder womöglich noch deutlich höhere Beträge aus der Staatskasse fließen sollten, dann fehlt mir dafür jedes Verständnis. Bei 120 Euro wären das rechnerisch bereits 3.600 Euro für ein Zimmer in einem Monat. Bei 150 Zimmern käme man theoretisch auf 540.000 Euro monatlich. Das ist ausdrücklich keine Aussage über die tatsächlichen Kosten dieses Vertrages, sondern zeigt lediglich, welche Dimensionen entstehen würden, wenn reguläre Hotelpreise zugrunde gelegt würden. Bei langfristiger Komplettanmietung müsste man eigentlich erwarten, dass erheblich günstigere Konditionen vereinbart werden.
Genau an diesem Punkt frage ich mich inzwischen ernsthaft: Wo soll das noch hinführen? In Deutschland wird gleichzeitig darüber diskutiert, dass Geld für Schulen, Straßen, Brücken, Pflege, Kommunen und andere öffentliche Aufgaben fehlt. Bürger und Unternehmen werden mit hohen Steuern und Abgaben belastet, während Städte und Gemeinden vielerorts erklären, dass für notwendige Investitionen kaum noch finanzieller Spielraum vorhanden sei. Vor diesem Hintergrund halte ich es für völlig legitim, bei einer solchen Entscheidung sehr genau nach den Kosten zu fragen.
Besonders bemerkenswert ist außerdem, dass Hamburg eigentlich angekündigt hatte, kostenintensive temporäre Unterkünfte und insbesondere Hotelunterbringungen reduzieren zu wollen. Wenn nun ausgerechnet ein gerade eröffnetes Hotel komplett für die Unterbringung von Geflüchteten angemietet wird, passt das für mich zumindest auf den ersten Blick nur schwer zusammen. Vielleicht gibt es dafür nachvollziehbare Gründe, vielleicht ist der ausgehandelte langfristige Preis sogar erheblich niedriger als der reguläre Hotelpreis. Aber dann sollte die zuständige Behörde genau diese Zahlen offenlegen.
Mir geht es dabei nicht darum, Menschen gegeneinander auszuspielen. Wer Schutz benötigt, muss menschenwürdig untergebracht werden. Darüber sollte es eigentlich keine Diskussion geben. Aber menschenwürdige Unterbringung und wirtschaftlicher Umgang mit Steuergeld schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Gegenteil: Wer dauerhaft gesellschaftliche Akzeptanz für die Aufnahme und Unterstützung von Geflüchteten erhalten möchte, sollte gerade bei den Kosten größtmögliche Transparenz schaffen.
Deshalb möchte ich wissen, was dieser Vertrag den Steuerzahler tatsächlich kostet. Wenn Hamburg für die langfristige Komplettbelegung des Hotels einen vernünftigen Preis ausgehandelt hat, dann kann die Stadt die Zahlen nennen und damit viele Fragen beantworten. Sollte sich dagegen die Behauptung bestätigen, dass für diese Unterbringung sogar wesentlich mehr als die üblichen Hotelpreise bezahlt wird, wäre meine Reaktion eine ganz andere. Dann wäre für mich nicht mehr die Frage, ob man darüber diskutieren darf, sondern wie ein solcher Vertrag überhaupt zustande kommen konnte.
Ein neues Hotel, im Mai eröffnet und wenige Monate später komplett als Flüchtlingsunterkunft genutzt – das ist schon ungewöhnlich genug. Wenn dafür am Ende tatsächlich Summen aus der Staatskasse gezahlt werden, die über normalen Hotelpreisen liegen, hört bei mir persönlich das Verständnis auf. Hilfe für Menschen in Not, selbstverständlich. Aber der verantwortungsvolle Umgang mit dem Geld der Steuerzahler sollte ebenso selbstverständlich sein.
