Wenn Auswanderer nur billig leben wollen – Warum Bulgarien Respekt verdient und nicht deutsche Dauer-Nörgler
Seit sieben Jahren beobachte ich dieses Schauspiel, nicht aus der Perspektive eines Urlaubers oder eines frisch Verliebten, sondern als jemand, der hier lebt, der Bulgarien respektiert, der die Menschen schätzt, der diese Region zur Heimat gemacht hat und je länger ich hier bin, desto deutlicher erkenne ich ein Muster, das enttäuscht und wütend macht. Es sind nicht die Bulgaren, die Probleme schaffen, es sind bestimmte Auswanderer aus meinem eigenen Land.
Es gibt Auswanderer, die nach Bulgarien kommen und nichts verstehen, weil sie sich gar nicht die Mühe machen, zu verstehen. Sie landen in der Region Burgas wie Kunden in einem Discounter, die alles billig wollen, aber Premium erwarten. Sie kommen nicht aus Abenteuerlust oder Liebe zu einem Land, sondern aus der schlichten Tatsache heraus, dass Deutschland ihnen zu teuer geworden ist und das eigene Leben dort nicht mehr funktioniert. Sie packen ihre Kisten, reisen ab und glauben ernsthaft, dass man mit einer kleinen Rente im Ausland plötzlich König wird. Bulgarien wird zum Notausgang ihres Versagens und dann wundern sie sich, dass dieser Ausgang nicht automatisch in ein fertig möbliertes Paradies führt.
Diese Sorte Auswanderer stellt keine Frage, sie stellt Forderungen. Sie erwarten deutsche Standards in einem Land, das seine ganz eigene Geschichte, Mentalität und Tragik hat. Sie empören sich über Bürokratie, obwohl sie selbst Jahrzehnte unter deutscher Bürokratie gelebt haben. Sie beschweren sich über Preise, obwohl diese immer noch niedriger sind als in dem Land, aus dem sie geflüchtet sind. Sie schieben jede Veränderung den Bulgaren in die Schuhe, obwohl jeder halbwegs geistig wache Mensch weiß, dass die Preissteigerungen ein Ergebnis internationaler Politik und europäischer Fehlentscheidungen sind, also jener politischen Kräfte, die in Berlin und Brüssel sitzen und nicht im Rathaus von Burgas.
Diese Menschen leben in Bulgarien, aber mental haben sie nie Abschied genommen. Sie importieren deutsche Nörgelei, deutsches Anspruchsdenken und deutsche Dauerempörung. Sie reden von Freiheit, wollen aber am liebsten einen deutschen Ordnungsbeamten, der jeden Kieselstein regelt. Sie schimpfen über Migration nach Deutschland, verhalten sich aber selbst wie Wirtschaftsnomaden mit moralischem Höhenflug. Sie sind keine Gäste, keine Einwanderer und erst recht keine Nachbarn. Sie sind Konsumenten, die in einem fremden Land das verkaufen wollen, was ihnen in der Heimat bereits niemand mehr abgekauft hat, ihre Selbstillusion.
Wer aus Angst vor dem Krieg in der Ukraine wieder nach Deutschland zurück flüchtet, hat mit rationalem Denken nicht viel am Hut. Bulgarien ist NATO, Bulgarien ist EU, Bulgarien liegt geographisch seit jeher dort, wo es eben liegt. Wenn jemand meint, hier drohe der Weltuntergang, dann soll er sich mal die Landkarte anschauen und überlegen, warum ausgerechnet Bulgarien das Epizentrum eines globalen Infernos sein sollte. Doch Angst war schon immer das bequemste Alibi für Menschen, die sich nie ernsthaft auf etwas eingelassen haben.
Dann kommt die nächste Panikwelle, die Einführung des Euro, für viele dieser Auswanderer ist der Euro das Ende der Billigfantasie. Nicht das Ende des Lebens, nicht das Ende der Freiheit oder des Meeres, nur das Ende der Möglichkeit, mit einer deutschen Mini-Rente groß aufzutrumpfen. Sie brechen auf, suchen das nächste Land, das noch nicht so teuer ist, das noch nicht europäisch genug ist, das man noch ein wenig auspressen kann, bevor man weiterzieht. Ein Leben wie ein Preisscanner im Supermarkt, geografische Schnäppchenjagd ohne jede Wurzeln.
Was sie nie begreifen, Bulgarien ist kein Rettungsboot für deutsche Lebensentwürfe, die gescheitert sind. Bulgarien ist ein stolzes Land, mit einer Kultur, die älter ist als viele Staaten Europas, mit Menschen, die Härte kennen und Großherzigkeit leben. Wer hier wirklich leben will, sollte verstehen, dass man Teil eines Landes wird, nicht Kunde in einem Auslandssupermarkt. Man lernt die Sprache, man respektiert die Menschen, man akzeptiert die Kultur, man begreift, dass nicht alles wie in Deutschland funktionieren muss, um gut zu sein.
Ein Land, das Freiheit bietet, verdient Menschen, die diese Freiheit schätzen. Kein Volk der Welt verdient es, von Auswanderern belehrt, benutzt oder verachtet zu werden, nur weil diese ihre eigene Biografie schönreden wollen. Wer bulgarische Gastfreundschaft ausnutzt, aber nie bereit ist, zurückzugeben, hat den Sinn eines Neuanfangs nie verstanden.
Mit diesen Menschen will ich nichts zu tun haben. Ich meide sie, wo ich nur kann, denn sie haben kein Interesse an Bulgarien, sondern nur an sich selbst. Es gibt hier aber auch andere, Menschen, die dieses Land lieben. Menschen, die nicht wegen eines billigen Lebens hergekommen sind, sondern wegen Freiheit, Ruhe, Meer, Kultur und Menschlichkeit. Meine Freunde, die verstehen, dass Heimat ein Gefühl ist und keine Preisstrategie, mit ihnen lebe ich gern, mit ihnen teile ich das Leben hier, Tag für Tag. Für diese Menschen lohnt es sich, hier zu sein, für sie lohnt sich jeder Sonnenaufgang über dem Schwarzen Meer.
Bulgarien hat Besseres verdient als Konsumenten, die nur auf die Preisschilder schauen. Bulgarien braucht Menschen, die es mit Respekt betreten, mit Offenheit leben und mit Dankbarkeit empfinden. Wer das nicht kann, sollte vielleicht gar nicht mehr auswandern, sondern endlich in den Spiegel schauen.
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