Pflege-Reform oder Sozialer Raubzug – Wie Politik Alte und Kranke zur Beute macht
Morgen kommt wieder so eine sogenannte Reform. Wenn in Deutschland „Reform“ gesagt wird, sollten normale Menschen sofort die Hand auf den Geldbeutel legen und die Tür verriegeln, denn Reform heißt hier fast nie Verbesserung. Reform heißt, irgendeine Clique aus Versagern hat jahrelang gepennt, Probleme ignoriert, Kohle verbrannt und sucht jetzt neue Opfer.
Und wer wird geopfert? Natürlich nicht die fetten Apparate, nicht die Versorgungskünstler, nicht die Labertaschen mit Dienstwagen, Pensionsanspruch und Pressesprecher. Nein, man nimmt wieder die, die kaum noch Luft haben. Alte Menschen, Pflegebedürftige, Kranke und Angehörige die seit Jahren zwischen Arbeit, Pflege, Schlafmangel und Nervenzusammenbruch taumeln.
Die Pflegekassen sind also leer. Welch Sensation, fast so überraschend wie Regen im Herbst. Jeder halbwegs wache Mensch konnte das kommen sehen. Aber in Deutschland wird nicht geplant, dort wird verdrängt, vertuscht und vertagt bis die Wand da ist und man mit voller Fresse reinrennt. Danach schaut man hektisch nach jemandem, dem man die Rechnung umhängen kann.
Jetzt sollen Zuschüsse später kommen, Leistungen schwerer erreichbar werden und Menschen länger selbst blechen. Übersetzt heißt das ganz simpel, wer alt, krank und schwach ist soll gefälligst noch tiefer in die Tasche greifen, bevor der Staat sich bequemt etwas zurückzugeben.
Besonders pervers ist das Spiel bei Pflegeheimen. Hilfe wird so weit nach hinten geschoben, dass viele Betroffene sie gar nicht mehr erleben. Ein Teil stirbt vorher. Zack, Kosten gespart, das ist die kalte Wahrheit hinter dem weichgespülten Behördenmüll. Man muss es nur technisch genug formulieren, dann merkt der Michel nicht, dass man mit dem Taschenrechner über seine Großeltern fährt.
Dann kommen wieder diese Sprachverbrecher mit ihren Formulierungen. „Neujustierung“. „nachhaltige Stabilisierung“, „treffsichere Leistungssteuerung“. Klingt schlau, ist aber nur Parfüm auf einer Leiche. In Wahrheit sagt man, zahl mehr, bekomm weniger und halt die Fresse.
Auch bei den Pflegegraden wird man natürlich schrauben. Wenn weniger Menschen anerkannt pflegebedürftig sind ist das Problem statistisch kleiner, genial. Wenn Oma nur noch mit Schmerzen laufen kann, nachts stürzt und tagsüber verwirrt ist, findet sich sicher ein Schreibtischtäter der erklärt, sie sei noch ausreichend mobil. Vielleicht langsam wie eine Schnecke auf Valium, aber mobil.
Dieses Land hat Pflegekräfte beklatscht als Applaus billiger war als faire Bezahlung. Es hat Angehörige mit moralischem Geschwätz abgespeist, während sie privat zusammenbrechen. Es hat alte Menschen jahrzehntelang arbeiten lassen und behandelt sie jetzt wie lästige Restposten mit Puls.
Und die Bevölkerung? Ein Teil wird es wieder schlucken wie abgestandene Suppe. Weil man alles kompliziert verpackt, weil man aus Raubzug Verwaltungssprache macht, weil zu viele erst merken das sie verarscht wurden, wenn die eigene Mutter im Heim sitzt und das Ersparte wegschmilzt wie Butter in der Pfanne.
Das ist keine Reform, das ist staatlich organisierter Griff in fremde Taschen, bezahlt mit der Würde der Schwächsten. Jahrzehnte politischer Unfähigkeit werden jetzt auf Menschen abgeladen die oft nicht einmal mehr allein aus dem Bett kommen.
Aber keine Sorge, Morgen nennt man es sicher solidarisch. In diesem Land heißt solidarisch meistens nur, dass immer dieselben bluten, während dieselben anderen kassieren.
