Burgas – die erstaunliche Geschichte einer jungen Stadt
Wer heute Burgas mit seinem Hafen, dem Seegarten, Flughafen und knapp 200.000 Einwohnern erlebt könnte vermuten, die Stadt gehöre wie Nessebar oder Sozopol zu den uralten Städten der bulgarischen Schwarzmeerküste. Tatsächlich ist das heutige Burgas vergleichsweise jung, genau das macht seine Geschichte interessant. Während andere Küstenstädte auf eine große antike Vergangenheit zurückblicken, verdankt Burgas seinen Aufstieg vor allem seiner Lage, dem Handel und dem Hafen.
Alter Boden, junge Stadt
Die Region um Burgas ist wesentlich älter als die Stadt selbst. Menschen siedelten hier bereits in der Antike und mit Aquae Calidae bei den heutigen Mineralbädern befindet sich unmittelbar bei Burgas ein historisch bedeutender Ort. Die warmen Quellen wurden schon von Thrakern und Römern genutzt, später von Byzantinern und Osmanen. In der weiteren Umgebung entstanden mit Apollonia, dem heutigen Sozopol und Mesambria, dem heutigen Nessebar, bereits in der Antike bedeutende Städte.
Burgas spielte damals dagegen kaum eine vergleichbare Rolle. Selbst die Herkunft des Namens ist nicht vollständig geklärt. Eine verbreitete Erklärung führt ihn auf das lateinische burgus zurück, womit ein befestigter Turm oder kleiner befestigter Platz bezeichnet wurde. Vermutlich befand sich in der Gegend einst ein solcher Beobachtungs- oder Signalturm.
Der Hafen brachte den Aufstieg
Die eigentliche Entwicklung von Burgas begann während der osmanischen Zeit und beschleunigte sich im 18. und 19. Jahrhundert. Die geschützte Bucht eignete sich hervorragend für den Handel. Vor allem landwirtschaftliche Produkte aus dem Hinterland konnten von hier über das Schwarze Meer verschifft werden. Kaufleute, Handwerker und Arbeiter kamen, die Siedlung wuchs und der Hafen gewann zunehmend an Bedeutung.
Nach der Befreiung Bulgariens 1878 ging die Entwicklung schnell weiter. Der junge bulgarische Staat benötigte einen leistungsfähigen Hafen am südlichen Schwarzen Meer. Burgas erhielt eine Eisenbahnverbindung ins Landesinnere und 1903 wurde der moderne Hafen offiziell eröffnet. Damit war die Grundlage für den weiteren Aufstieg geschaffen. Handel, Verkehr und später Industrie ließen die Bevölkerung stark wachsen. Gleichzeitig war Burgas lange eine ethnisch vielfältige Stadt in der unter anderem Bulgaren, Griechen, Türken, Armenier und Juden lebten. Kriege und Bevölkerungsverschiebungen veränderten diese Zusammensetzung im 20. Jahrhundert erheblich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Burgas während der sozialistischen Zeit zu einem wichtigen Industriezentrum ausgebaut. Neue Betriebe entstanden, der Hafen wurde erweitert und große Wohnviertel wie Slaveykov, Izgrev und Meden Rudnik wuchsen. Von besonderer wirtschaftlicher Bedeutung war die große Erdölraffinerie die in den 1960er-Jahren ihren Betrieb aufnahm. Zehntausende Menschen zogen aus kleineren Orten und Dörfern in die wachsende Stadt.
Vom Industriezentrum zur modernen Küstenstadt
Eine ganz andere Seite von Burgas entstand mit dem Seegarten. Anfang des 20. Jahrhunderts begann die systematische Gestaltung des Küstenbereichs. Aus einer damals weitgehend kahlen Fläche entwickelte sich über Jahrzehnte der große Park, der heute Innenstadt, Strand und Schwarzes Meer miteinander verbindet und aus Burgas kaum noch wegzudenken ist.
Nach dem Ende des Sozialismus 1989 musste sich die Stadt erneut verändern. Unternehmen verschwanden oder wurden privatisiert, gleichzeitig gewannen Dienstleistungen, Handel und Tourismus an Bedeutung, die Lage erwies sich wieder als großer Vorteil. Nessebar, Sonnenstrand und Pomorie liegen nördlich, Sozopol südlich der Stadt. Der Flughafen Burgas entwickelte sich zum internationalen Eingangstor für einen großen Teil der südlichen Schwarzmeerküste. Nach Bulgariens EU-Beitritt 2007 wurden zudem erhebliche Teile der städtischen Infrastruktur modernisiert.
So entstand innerhalb von vergleichsweise kurzer Zeit das Burgas, das wir heute kennen. Die Stadt besitzt nicht die spektakuläre antike Altstadt von Nessebar und auch nicht die historische Kulisse von Sozopol, ihre Geschichte ist eine andere. Burgas wurde durch seine Lage, den Hafen, Handel, Industrie und immer neue Einwohner groß.
Vielleicht erklärt genau das auch den Charakter der Stadt. Burgas ist kein historisches Freilichtmuseum, sondern eine Stadt die sich ständig verändert hat und dies bis heute tut. Zwischen Hafen, alten Häusern, sozialistischen Wohnvierteln, Neubauten und dem Seegarten liegen verschiedene Epochen unmittelbar nebeneinander.
Aus einer kleinen Siedlung an einer Bucht wurde innerhalb weniger Generationen eine der wichtigsten Städte Bulgariens und ihre Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.
