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Bulgarien zu teuer

Die große Rentner-Weltflucht – oder: Irgendwo muss es doch noch ein Land geben, das sich meiner Rente unterwirft.

Deutschland ist zu teuer, also ab nach Bulgarien. Dort, so wurde es in irgendeiner Facebook-Gruppe versprochen, lebt man mit 800 Euro wie ein König. Villa am Meer, täglich Restaurant, vielleicht noch ein Butler namens Georgi und sonntags Champagner zum Frühstück. Dann passiert das Unfassbare: Bulgarien entwickelt sich, Preise steigen, Löhne steigen, Städte wachsen und Menschen wollen besser leben. Ein Skandal! Hat denn niemand Bulgarien erklärt, dass es gefälligst für immer billig bleiben muss, damit ausgewanderte Deutsche mit Mini-Rente ihren persönlichen Sonnenkönig spielen können?

Also beginnt das große Wehklagen. „Bulgarien ist inzwischen genauso teuer wie Deutschland!“ Natürlich, weil die Butter ähnlich viel kostet, müssen Mieten, Dienstleistungen, Handwerker, Restaurants, Versicherungen und Nebenkosten selbstverständlich auch identisch sein. Diese wirtschaftliche Analyse wurde vermutlich zwischen Katzenvideo und Frühstückspost abgeschlossen. Dann kam der Euro, jetzt ist endgültig Weltuntergang. Der Euro ist schuld, die EU ist schuld, die Politik ist schuld, Bulgarien ist schuld, die Inflation ist schuld und der Kassenzettel ist schuld. Nur einer bleibt zuverlässig unschuldig, derjenige der jahrzehntelang seine finanzielle Zukunft geplant hat wie einen spontanen Kegelabend.

Aber Eigenverantwortung ist auch wirklich ein hässliches Wort. Viel angenehmer ist es, ein ganzes Land dafür verantwortlich zu machen, dass die eigene Rente nicht für ein königliches Leben am Schwarzen Meer reicht, also weiterziehen. Rumänien? Zu teuer. Ungarn? Auch schon verdorben. Albanien? Bestimmt bald ebenfalls unbezahlbar. Dann vielleicht Moldawien, Georgien oder eine verlassene Bohrinsel. Irgendwo muss es doch ein Land geben in dem man mit 800 Euro lebt wie ein Oligarch, die Preise seit 1998 eingefroren sind und sich die Bevölkerung über jeden deutschen Dauernörgler persönlich freut.

Und wenn sich dieses Land nicht finden lässt? Dann bleibt immer noch Facebook. Dort kann man täglich verkünden, wie schlecht es einem geht, wie ungerecht die Welt ist und wie unverschämt Länder sind, die sich weiterentwickeln statt als dauerhaftes Billigreservat für deutsche Rentenfantasien zu dienen. Besonders grotesk wird es, wenn Menschen mit einer durchschnittlich guten deutschen Rente in Burgas, Warna, Plowdiw oder Sofia bequem leben können, während gleichzeitig behauptet wird, Bulgarien sei „praktisch unbezahlbar“.

Burgas liegt übrigens am Meer. Dort machen andere für viel Geld Urlaub, aber selbst das reicht manchen nicht. Meer, Natur, Sonne, weniger Stress, mehr Freiheit, günstigeres Wohnen und ein entspannterer Alltag? Alles wertlos wenn der Käse 30 Cent teurer geworden ist.

Das Problem ist nicht Bulgarien. Das Problem ist die Erwartung, ein fremdes Land müsse dauerhaft arm bleiben, damit man selbst sich reich fühlen kann und genau diese Haltung ist nicht nur lächerlich. Sie ist anmaßend, realitätsfern und ungefähr so sympathisch wie ein nasser Teppich im Treppenhaus.

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