Der große Stromausfall war kein Unfall und er war auch kein technisches Versehen.
Wenn organisierte, radikale Gruppen gezielt Infrastruktur angreifen, dann ist das Sabotage und Sabotage an der Stromversorgung einer Millionenstadt ist politisch betrachtet Terror gegen die Zivilbevölkerung, Punkt. Alles andere ist beschönigende Sprache für ein Staatsversagen, das sich hinter Formulierungen versteckt, während Menschen im Dunkeln sitzen.
Der entscheidende Skandal ist dabei nicht nur der Angriff selbst, sondern das Umfeld, das ihn möglich gemacht hat. Wer kritische Infrastruktur unzureichend schützt, lädt zum Angriff ein. Wer Warnungen ignoriert, Netze über Jahre auf Kante fährt und Sicherheit dem Sparzwang oder der Ideologie opfert, macht sich mitverantwortlich für die Folgen. Der Stromausfall ist deshalb nicht nur das Werk radikaler Täter, sondern das Ergebnis politischer Fahrlässigkeit.
Die Bürger erleben die Konsequenzen unmittelbar. Wohnungen ohne Licht und Wärme, Betriebe mit Totalausfällen, Pflegeeinrichtungen im Krisenmodus und dann folgt die zweite Ohrfeige. Man erklärt ihnen, sie müssten Verständnis haben, sie müssten solidarisch sein, sie müssten am Ende sogar die Kosten für Notunterkünfte tragen, für einen Ausnahmezustand, den sie weder verursacht noch verhindern konnten. Das ist kein Schutzversprechen mehr, das ist eine Umkehr der Verantwortung.
In Berlin zeigt sich, wie dünn die staatliche Decke geworden ist. Eine Hauptstadt, die von Diversität, Offenheit und Fortschritt spricht, aber ihre elementarste Aufgabe nicht mehr zuverlässig erfüllt. Stromversorgung ist kein Luxus und kein politisches Statement, sie ist Grundfunktion. Wenn diese Grundfunktion durch radikale Gruppen lahmgelegt werden kann, dann ist nicht nur das Netz angreifbar, sondern der Staat selbst.
Besonders grotesk wird es im größeren Kontext. Deutschland präsentiert sich international mit erhobenem Zeigefinger und großer Klappe, man redet von Abschreckung, von Stärke, von Führungsanspruch. Man inszeniert sich als Akteur in geopolitischen Machtfragen und legt sich rhetorisch mit Wladimir Putin an als wäre man strukturell auf Konflikte vorbereitet. Gleichzeitig reicht eine Handvoll radikaler Saboteure, um Teile der Hauptstadt lahmzulegen. Das ist keine Stärke, das ist Selbstentlarvung.
Die politische Reaktion folgt dem bekannten Muster. Man relativiert, man beschwichtigt, man vermeidet klare Worte. Terror heißt dann plötzlich „Sachbeschädigung“, organisierte Angriffe werden zu „Vorfällen“. Man will keine Debatte über Schutz kritischer Infrastruktur, weil sie unangenehme Fragen stellt. Fragen nach Prioritäten, nach Versäumnissen und nach Verantwortung.
Dabei wäre genau das nötig, wer Stromnetze nicht schützt, schützt seine Bürger nicht. Wer weiß, dass es radikale Gruppen gibt, die Infrastruktur als Ziel begreifen, und trotzdem nichts Substanzielles unternimmt, handelt grob fahrlässig. Das Problem ist nicht neu, es wurde nur ignoriert. Aus Bequemlichkeit, aus Ideologie, aus politischem Kalkül.
Der große Stromausfall ist deshalb mehr als ein einmaliges Ereignis, er ist ein Warnsignal. Ein Staat, der seine Bürger im Dunkeln stehen lässt und ihnen anschließend die Rechnung präsentiert, verliert seine Legitimität Stück für Stück. Sicherheit ist keine PR-Übung, sie zeigt sich genau dann, wenn es ernst wird. In Berlin wurde sichtbar, wie wenig davon übrig ist.
