Xbox-Controller im U-Boot – Wenn ein Gamepad die Rüstungsblase platzen lässt
Die U.S. Navy hat über Jahre hinweg ein kleines Kunstwerk des militärisch-industriellen Komplexes gepflegt. Für die Steuerung der Periskope ihrer Virginia-Klasse-U-Boote benutzte man einen speziellen, hubschrauberartigen Steuerknüppel für schlappe 38.000 Dollar, pro Stück, nur damit ein paar Kameras nach links, rechts, hoch und runter schauen können. Man gönnt sich ja sonst nichts, wenn man mit Steuergeld spielt.
Irgendwann hatte dann offenbar jemand einen gefährlichen Gedanken, was wäre, wenn wir das Ding nicht bei „Goldene-Einzelanfertigung-und-bitte-ohne-Angebotsvergleich GmbH“ bestellen, sondern einfach etwas benutzen, das jeder 15-Jährige im Kinderzimmer liegen hat. Man schloss einen ganz normalen Xbox-Controller an, setzte ein paar junge Matrosen davor und siehe da, nach wenigen Minuten konnten sie das „Periskop“ bedienen, als wäre es ein Ego-Shooter. Training, das vorher Stunden dauerte, schrumpfte auf die Zeit eines Ladebildschirms zusammen.
Statt 38.000 Dollar kostet so ein Controller ungefähr so viel wie eine mittelgroße Pizza mit Extras, geht das Ding kaputt, kauft man einfach einen neuen. Kein Wartungsvertrag, kein Ingenieur im Anzug, der mit ernster Miene eine Ersatzteilliste rezitiert, „Controller hinüber, man geht kurz in einen Laden.“ Die Tatsache, dass das im Jahr 20-irgendwas als Innovation gefeiert wurde, ist eigentlich schon die beste Pointe.
Natürlich steuert der Xbox-Controller nicht das ganze U-Boot, sondern „nur“ die modernen Photonics-Masten, also das digitale Periskop. Der Reaktor läuft nicht auf dem A-Knopf, die Torpedos feuern nicht mit „RT“, aber die Symbolik sitzt. Jahrelang hat man so getan, als sei für Militärtechnik alles zu komplex, zu heilig und zu sicherheitsrelevant für schnöde Alltagsgeräte. Dann kommt ein Gamepad aus der Wohnzimmerhölle und zeigt, dass ein Massenprodukt aus Plastik in einem klaren Anwendungsbereich schlicht besser funktioniert als das sündhaft teure Spezialspielzeug.
Die Moral von der Geschichte ist weniger „Wow, die Navy ist so modern“, sondern eher, vielleicht sollte man in diesem ganzen Bereich öfter mal die einfache Frage stellen, die jeder Azubi im ersten Lehrjahr gelernt hat, brauchen wir das wirklich in teuer, oder geht das auch in normal. Sometimes the simplest solution is the smartest – besonders, wenn vorher niemand auf die naheliegende Idee gekommen ist, einfach mal einen Controller einzustecken.
