Kyrö Malt Rye Whisky – aus 100 % finnischem Vollkornroggen
So sieht er aus, dieser Moment wenn auf dem Weihnachtstisch plötzlich mehr liegt als ein Geschenk. Wenn sich Wärme ausbreitet, Zeit langsamer wird und zwischen Glas und Kerzenlicht dieses stille Lächeln entsteht. Wenn man begreift, dass ein „Wirschenkenunsnichtszuweihnachtengeschenk“ manchmal sehr genau weiß, was es tut.
Ein Tisch wie ein ruhiger Winterabend. Weiches Licht, gedämpfte Farben, Holz, Glas und diese besondere Ruhe, die nur Weihnachten kennt und mittendrin dieses „Wirschenkenunsnichtszuweihnachtengeschenk“, das nichts erklären muss weil es alles erzählt. Kein Lärm, kein Auftritt, kein Zuviel. Selbstbewusst, liebevoll, und mit einer Wärme die bleibt.
Es ist dieses Innehalten, dieses wortlose Verstehen. Nicht das Ding zählt, sondern die Bedeutung dahinter, die Aufmerksamkeit. Genau darin liegt seine Schönheit und genau deshalb fühlt es sich so vollkommen richtig an.
Danke an die beste Ehefrau der Welt für dieses Geschenk das leise daherkommt und doch so unglaublich viel sagt.
Ich nenne ihn meinen perfekten Alltagswhiskey und das klingt erstmal wie ein Widerspruch. Alltag und perfekt passen selten zusammen, außer vielleicht bei einer Tasse Kaffee die genau so schmeckt, wie sie schmecken muss damit man den Tag nicht persönlich nimmt. Beim Kyrö Malt Oloroso war es ähnlich, nur eleganter. Ich habe ihn nicht „verstanden“, ich wurde von ihm abgeholt. Nicht mit großen Gesten, sondern mit dieser selbstverständlichen Art die gute Whiskeys haben, wenn sie wissen, was sie können.
Ich erzähle dir kurz warum ich die Kyrö Geschichte so mag, weil sie nicht geschniegelt beginnt, sondern typisch menschlich. Fünf Freunde sitzen in der Sauna, trinken Rye Whiskey und fragen sich ernsthaft warum ausgerechnet Finnland kein eigenes Rye Ding hat. Wer so anfängt meint es entweder todernst oder hat schon den richtigen Humor im Blut, wahrscheinlich beides. Aus dieser Sauna Idee wird Kyrö, eine finnische Brennerei die sich konsequent auf Roggen stürzt, so konsequent, dass man fast den Eindruck bekommt sie würden Roggen auch dann destillieren wenn man ihnen einen Koffer voller Gerste vor die Tür stellt.
Und jetzt dieser Malt Oloroso, schon der Name klingt nach „ich habe einen Anzug an, aber ich kann trotzdem tanzen“. Der Kern ist Rye Malt Whisky, also gemälzter Roggen und das Ganze wird über drei Fasswelten geführt. Neuer amerikanischer Eichenfass Einfluss für Struktur und Würze, Ex Bourbon für Vanille und diese helle Süße, die nicht klebt und dann der Oloroso Anteil für Tiefe, Nussigkeit, Trockenfrucht und dieses warme dunkle Leuchten, das Sherryfässer können wenn sie nicht übertreiben. Abgefüllt ist er mit 47,2 Prozent, was ich genau richtig finde, weil er sich damit nicht entschuldigt aber auch nicht brüllt.
Beim ersten Riechen ist das kein Whiskey der dir sofort mit Rauch und Drama ins Gesicht springt, er macht es klüger. Da kommt zuerst etwas, das ich fast schon unverschämt angenehm finde. Honig auf Roggenbrot, warm, frisch, leicht nussig, wie eine Küche in der halben Stunde bevor alle am Tisch sitzen. Dann schiebt sich das Sherry Thema rein, nicht als Sirup, sondern als Rosine, Nuss, ein Hauch Schokolade, so als hätte jemand eine Handvoll Trockenfrüchte über einen Holzbrettabend gestreut und dabei aus Versehen Stil getroffen. Darunter liegt diese feine Würze vom Roggen, dieses lebendige Kribbeln das nicht scharf ist, sondern wach.
Der erste Schluck ist dann der Moment, in dem ich normalerweise entscheide ob ein Whiskey mein Freund wird oder nur ein Bekannter. Beim Kyrö war das schnell, er kommt weich rein, aber nicht dünn. Er hat Körper, so eine satte Textur die sich über die Zunge legt wie ein warmer Schal und dann setzt diese Kombination ein, die mich erwischt hat. Süße, die nicht geschniegelt ist, eher wie Karamell das in der Pfanne kurz zu dunkel wurde und dadurch interessanter. Dazu dieser Roggencharakter, bready, würzig, ein bisschen wie Teig, der gerade erst versteht was er werden will. Dann kommen wieder Oloroso Noten die nicht schreien, sondern erzählen. Trockenfrucht, Nuss, ein Hauch Kakao und irgendwo im Hintergrund das Holz, das alles zusammenhält, damit es nicht in Einzelteile zerfällt.
Der Abgang ist für mich der Punkt, an dem er den Alltagstest gewinnt. Er bleibt da, aber er bleibt höflich. Warm, würzig, leicht trocken werdend, mit dieser nussigen Sherry Spur die noch ein bisschen nachklingt, während du schon längst merkst das du automatisch langsamer atmest. Das ist die Art Whiskey, bei der du nicht sofort nachschenken willst weil du erstmal den Nachhall auskosten möchtest. Das ist immer ein gutes Zeichen, weil es bedeutet das du nicht trinkst um zu trinken, sondern weil da wirklich etwas passiert.
Und jetzt der Teil den ich offen zugebe, der Preis hat mich ebenfalls überzeugt. Nicht weil er billig wäre, sondern weil er sich nicht wichtig macht. Das hier ist kein Drama in Flaschenform das dich zwingt eine Kerze anzuzünden und drei Fremdwörter zu murmeln. Es ist ein Whiskey der sich anfühlt, als hätte jemand die Messlatte für „Alltag“ einfach höher gelegt, ohne das du dafür deinen Alltag komplett umbauen musst. Ein Dram nach dem Essen, ein Dram nach einem langen Tag, ein Dram wenn du genau weißt, dass heute keine großen Antworten mehr kommen aber ein guter Moment noch drin ist.
Wenn du mich fragst warum ich ihn so gern habe, dann ist es diese Mischung aus Charakter und Zugänglichkeit. Er hat Persönlichkeit aber keine Arroganz. Er ist finnisch in der Idee, roggenstark im Kern und mit Oloroso so veredelt, dass du nicht das Gefühl hast du müsstest erst eine Prüfung bestehen um ihn zu genießen. Das ist für mich der perfekte Alltagswhiskey. Nicht weil er gewöhnlich ist, sondern weil er dir zeigt wie gut gewöhnliche Abende werden können, wenn im Glas jemand sitzt der seine Arbeit ernst nimmt.
Tasting-Daten
Notizen
Warm und sofort einladend. Roggenbrot mit einem Hauch Honig, dazu geröstete Nüsse und Trockenfrucht wie Rosinen und Dattel. Im Hintergrund liegt eine feine Sherry-Note, eher nussig und dunkel als süß und ganz hinten ein bisschen Kakao und Holz, wie eine saubere Werkbank auf der gerade noch gearbeitet wurde.
Samtig, aber mit Charakter. Erst Karamell und gebräunte Butter, dann kommt diese typische Roggenwürze die alles lebendig macht, ohne scharf zu werden. Sherry bringt Tiefe, Nuss, dunkle Frucht und eine Spur Schokolade. Der Alkohol ist präsent, aber gut erzogen. Er schiebt, aber er brüllt nicht.
Mittellang bis lang, warm und trocken werdend. Würze bleibt am Gaumen, dazu Nuss, Kakao und eine leicht holzige Eleganz. Am Ende ein angenehmes Kribbeln, als würde der Whiskey sagen: Ich bin noch da, aber ich drängle nicht.
Das ist genau mein Alltagswhiskey, weil er sich nicht wichtig macht und trotzdem jedes Mal liefert. Ein Dram, der den Tag entknotet ohne dass man dafür eine Zeremonie erfinden muss.

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