Düfte und aroma

Die Sprache der Aromen und Düfte

Hier wird es für die Sinne erst richtig interessant, weil Whiskey nicht nur eine Idee ist sondern eine ganze Abfolge von Düften, die wie kleine Türen aufgehen wenn du dir Zeit lässt. Ein gutes Malz hat diesen warmen, brotigen Ton als würdest du an einer frischen Kruste riechen, leicht süß, ein bisschen nach Honig, manchmal wie Müsli das gerade in der Pfanne angeröstet wurde. Du musst dafür nicht mal Kenner sein, du merkst es sofort, weil es an etwas Alltägliches andockt. An Küche, an Wärme und an etwas das nicht hektisch sein kann. Und dann kommt je nach Stil diese zweite Ebene. Wenn Torf im Spiel ist kippt die Welt plötzlich in Richtung Erde, nicht dreckig, sondern tief. Feuchter Boden nach Regen, Stein, Jute und Rauch der nicht nach Party riecht, sondern nach draußen. Nach Holz, das gerade wieder aufgelegt wurde, weil die Glut sonst ausgeht. Torf war nie Dekoration, Torf war Brennstoff und genau deshalb hat er sich in die Aromen eingeschrieben wie eine Handschrift, die man nicht nachträglich glattbügeln kann. Das ist einer dieser seltenen Punkte an denen Geschichte nicht erzählt, sondern gerochen wird.

Dann kommt das, was viele unterschätzen weil sie zu schnell trinken. Der eigentliche Moment beginnt nicht beim Schluck, sondern kurz davor. Du nimmst den Whiskey an die Lippen und in dem Augenblick steigt schon etwas in die Nase, als würde der Geruch dem Geschmack vorauslaufen. Beim ersten Kontakt wirkt ein junger Brand oft wie ein ungeduldiger Mensch, er ist direkt, er kann scharf sein und er hat Kanten. Manchmal zieht er kurz über die Zunge wie ein Funke und wenn du ihn falsch erwischst brennt er nicht nur im Hals, sondern auch im Stolz. Ein gereifter Whiskey macht das anders, er setzt nicht auf Lautstärke. Er breitet sich aus nicht wie Zucker, sondern wie gebräunte Butter. Er legt sich auf die Zunge, warm und ruhig als hätte er keine Eile. Die Süße ist selten vorn am Gaumen wie Sirup, eher in der Mitte wie Karamell das nicht klebt, sondern schmilzt. Frucht kommt nicht als Saft, sondern als Trockenfrucht, als Apfelschale, als Rosine, als etwas das schon Zeit gesehen hat und genau das ist der Punkt. Es schmeckt nach Zeit, nicht nach Trick.

Der Abgang ist dann die eigentliche Unterschrift. Viele reden über ihn, aber kaum jemand nimmt ihn wirklich mit. Der Abgang ist dieses leise Nachgespräch, das bleibt wenn du schon längst geschluckt hast. Bei einem jungen Whiskey kann er kurz sein und ein bisschen ruppig, wie jemand der noch lernen muss wie man einen Raum verlässt. Bei einem guten gereiften bleibt er länger, aber nicht aufdringlich. Er kann trocken werden, ein wenig würzig, manchmal kommt Zimt, manchmal Pfeffer, manchmal eine dezente Bitterkeit, die eher an dunkle Schokolade erinnert als an Strenge. Und bei Rauchigen passiert etwas das ich immer wieder faszinierend finde. Der Rauch ist nicht mehr Rauch. Er wird Erinnerung an Rauch wie ein Geruch in einer Jacke, die am Lagerfeuer hing und die du am nächsten Tag anziehst. Nicht mehr laut, sondern vertraut, genau so ist ein guter Abgang. Er ist keine Nachwirkung, er ist ein Teil der Geschichte.

Der nächste große Schritt in dieser Entwicklung war nicht das Brennen selbst, sondern das Warten danach. Früher ging es viel um Transport und Lagerung. Holzfässer waren Behälter, weil man etwas braucht das dicht ist, rollt und nicht sofort bricht. Das aus diesem Behälter ein Aromageber wird, ist einer der schönsten Zufälle der Genussgeschichte. Holz macht weich, Holz nimmt Spitzen, Holz gibt zurück. Vanille, Karamell, manchmal Kokos, Gewürznoten, oft Trockenfrucht, je nachdem, was das Fass vorher erlebt hat. Viele dieser Töne sind keine Zauberei, sondern schlicht Zeit die arbeitet, während der Whiskey ruht und Zeit arbeitet leise, aber sie arbeitet gründlich.

Wenn du das einmal bewusst erlebst, verstehst du sofort warum ich sage Whiskey sei ein Gespräch. Nach dem Schluck passiert nämlich etwas im Kopf das man nicht erzwingen kann. Die Schultern fallen ein bisschen, der Atem wird ruhiger. Es ist, als würde der Tag kurz seine Zähne verlieren. Ein guter Dram ist nicht einfach Geschmack. Er ist ein Gefühl von Wärme, die nicht nur im Hals sitzt, sondern ein Stück tiefer. Manchmal ist da sogar eine kleine sehr angenehme Reaktion die ich bei mir immer wieder beobachte. Dieser winzige Moment von Stille in dem man merkt, dass man gerade nicht schnell sein muss, dass man nichts beweisen muss, dass man einfach da sein darf.

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