Aberlour

Aberlour 12 Year Old Double Cask Matured

Die erste Flasche Aberlour 12 kam nicht aus einem Laden, sie kam aus einem Moment. Ich wurde sechzig, hier in Bulgarien und meine lieben deutschen Freunde standen da mit diesem Geschenk das so unspektakulär wirkt, bis man es öffnet. Eine Flasche, eine Geste, aber mit einem feinen Gespür dafür was zu mir passt. Kein lauter Luxus, kein Showpiece, sondern etwas das sagt: Wir kennen dich und genau so fühlt sich Aberlour 12 auch an.

Ich erinnere mich noch, wie ich Tage später den Geschenk-Tube in der Hand hatte und schon beim Auspacken dieses leise Grinsen kam, das man hat wenn man weiß, das wird ein guter Abend. Nicht weil ich irgendwas beweisen wollte, sondern weil ich mich plötzlich auf diesen ersten Moment freute. Korken auf, einatmen und da war sie, diese Speyside Wärme die nicht nach „ich bin teuer“ riecht, sondern nach „setz dich“. Frucht, ein bisschen Sherry, Vanille, diese sanfte Würze die nicht sticht sondern begleitet. Es ist ein Whiskey der keinen Lärm macht und genau deshalb im Kopf bleibt.

Ich habe ihn dann über längere Zeit genau so getrunken, wie man einen runden Geburtstag nachklingen lässt, ohne Eile, ohne Plan. Mal ein Glas nach dem Essen, mal später am Abend wenn das Haus schon ruhiger war und man die Stimmen der Freunde noch im Kopf hatte. Das Schöne am Aberlour 12 ist, dass er dich nicht zwingt eine Zeremonie daraus zu machen. Er ist freundlich, aber nicht banal, warm aber nicht süßlich und wenn du ihn einfach nur in Ruhe lässt, erzählt er trotzdem genug.

Irgendwann war die Flasche leer. Nicht „leer gemacht“, sondern leer genossen und das ist ein Unterschied den jeder versteht der wirklich trinkt und nicht nur konsumiert. Ich stand da, schaute auf das Etikett und hatte diesen kurzen Gedanken den man sonst eher bei Menschen hat. Das ging jetzt schneller als ich gedacht habe und dann kam der zweite Gedanke der noch ehrlicher war. Ich brauche Ersatz, nicht irgendwann sondern ziemlich bald.

Also habe ich mir fast sofort eine neue besorgt. Nicht aus Panik, sondern aus Respekt, weil dieser Whiskey bei mir inzwischen wie ein guter Freund ist. Einer, der nicht dauernd reden muss um angenehm zu sein. Einer, der immer willkommen ist, egal ob der Tag gut war oder anstrengend, egal ob Besuch da ist oder nur Ruhe. Du stellst ihn hin, schenkst ein und plötzlich wirkt der Abend nicht mehr wie ein Rest vom Tag, sondern wie etwas Eigenes.

Vielleicht ist das sein größtes Talent, Aberlour 12 drängt sich nicht auf. Er steht einfach da und ist verlässlich und ich glaube genau deshalb habe ich ihn so schnell nachgekauft. Manche Flaschen sind spannend, manche sind besonders. Aber nur wenige schaffen das, was dieser hier schafft, sie werden ein Stück Zuhause.

Aberlour2

Tasting-Daten

Stil
Single Malt Scotch Whisky
Region
Speyside (Schottland)
ABV
40%
Fass
Ex-Bourbon und Sherryfässer, beim 12er als „Double Cask Matured“ (oft Oloroso/Sherry-Einfluss)
Alter
12
Bottler
Distillery Bottling (Aberlour Distillery)

Notizen

Nase

Weich und einladend wie ein warmes Zimmer nach einem langen Tag. Reifer Apfel zuerst, dann Rosinen und Sherry-Süße, dazu Vanille und ein Hauch Zimt. Alles wirkt rund, nicht geschniegelt. Eher „komm rein“ als „schau mal, was ich kann“.

Gaumen

Ausbalanciert und freundlich, aber nicht langweilig. Getrocknete Früchte und Honig, Zimt und eine helle Eichenwürze, dazu karamellige Töne. Er macht keine Show, er macht es einfach richtig.

Finish

Wärmend, mittellang bis lang, leicht würzig, mit einer süßen Spur, die nicht klebt. So ein Abgang, der noch kurz im Raum stehen bleibt, wie ein guter Satz, den man nicht sofort beantworten muss.

Aberlour 12 ist für mich der Beweis, dass „zugänglich“ nichts mit „einfach“ zu tun hat. Das ist Speyside-Komfort mit Manieren. Einer, der dich nicht beeindrucken will, aber es trotzdem schafft.

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