30. November 2025
Schnuller

Wenn Erwachsene wieder nuckeln – Der Schnuller-Wahnsinn einer kaputten Gesellschaft

Es gibt Momente, in denen man denkt, die Welt sei am Ende ihrer geistigen Leistungsfähigkeit angekommen und dann taucht ein neuer Trend auf, der beweist, dass es immer noch eine Steigerung gibt. Diesmal ist es kein Superfood, kein Detox, kein „spirituelles Erwachen“ und auch kein Coaching-Guru im Energie-Jogginganzug. Nein, es ist ein Stück Silikon, das seit Jahrhunderten für schreiende Babys gedacht war, der Schnuller. Und weil in dieser Zeit nichts mehr peinlich genug ist, stecken sich jetzt erwachsene Menschen dieses Ding in die Speiseöffnung, teilweise mit der festen Überzeugung, dass damit Stress, Trauma, psychische Unruhe und vermutlich sogar das Universum repariert werden.

Es wirkt wie Satire, ist aber ernst gemeint. Erwachsene sitzen mit einem Nuckel im Mund, während die restliche Menschheit versucht, Würde und Intelligenz aufrechtzuerhalten. Und als wäre das nicht schon absurd genug, tauchen nun Stimmen auf, die das Ganze „therapeutisch“ nennen. Psychologen und Coaches, die offenbar keine Grenzen mehr zwischen Wissenschaft und Geschäft sehen, erklären plötzlich, das Saugen hätte „regulierende Wirkung“ und könne seelische Blockaden lösen. Wenn das stimmt, dann war die gesamte Psychologie-Forschung der letzten hundert Jahre eine gigantische Zeitverschwendung. Hätten Freud und Jung nur gewusst, dass man die Menschheit mit einem überdimensionierten Babyartikel retten kann, hätten sie sich die Mühe mit dem Denken sparen können.

Man muss sich das einmal vorstellen, erwachsene Menschen, die im Namen der Selbstheilung sabbernd am Silikon kauen, das ist kein Fortschritt, das ist eine Karikatur auf Intelligenz. Das ist der Moment, in dem man sich fragt, ob die Evolution eine Pause eingelegt hat oder ob der Planet beschlossen hat, einen schlechten Witz aufzuführen. Früher bekamen Erwachsene Respekt, wenn sie Probleme lösten, Verantwortung übernahmen, Charakter zeigten. Heute reicht es offenbar, wenn man sich einen Schnuller kauft und ihn als „Trauma-Release-Tool“ bezeichnet. Neues Niveau? Nein, neue Tiefen.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass hinter jedem Trend ein Markt steckt und sobald Erwachsene anfangen, Babyartikel zu kaufen, dauert es keine fünf Minuten, bis jemand ein teures Premium-Produkt daraus macht. Demnächst kommen sicher Luxus-Schnuller, „handgefertigt, neuropsychologisch optimiert, energetisch gereinigt und vegan“. Dazu ein Online-Kurs, ein paar Influencer, ein PayPal-Button, und schon funktioniert der Zauber. Wenn es um Geschäft geht, ist die Grenze zwischen Therapie und Comedy ein dünnes Stück Gummi.

Das eigentlich Erschreckende ist aber nicht der Schnuller selbst, sondern die Tatsache, dass niemand mehr den Mut hat, zu sagen: „Das ist einfach lächerlich.“ Stattdessen wird jedes noch so absurde Verhalten sofort verpackt in Wohlfühlworten, Pseudowissenschaft und „man darf niemanden verurteilen“. Es geht nicht darum, Menschen zu beleidigen, sondern darum, dass gesunder Menschenverstand nicht zur seltenen Ausstellungsware werden sollte. Erwachsene, die sich freiwillig in die infantile Version ihrer selbst verwandeln, sind kein Zeichen von „neuem Bewusstsein“, sondern ein Symptom einer Gesellschaft, die sich in Therapietrends verliert, statt Probleme wirklich zu lösen.

Wer innere Stärke sucht, findet sie nicht in einem Silikon-Stopfen und wer psychische Probleme hat, braucht echte Hilfe, keine Merchandise-Produkte. Ein Schnuller kann Babys beruhigen, weil sie Babys sind. Wenn erwachsene Menschen glauben, dass dieselbe Methode ihre Welt repariert, ist das keine Therapie, das ist Kapitulation in Geschenkpapier.

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