30. November 2025
Redakteur frust

Warum ich heute offen spreche

Es gibt Momente, in denen selbst der hartnäckigste Autor an einen Punkt kommt, an dem die Stille lauter wird als jedes geschriebene Wort. Ich bin in den vergangenen Monaten immer wieder an diesen Punkt gestoßen. Nicht, weil mir die Themen ausgehen würden oder weil ich keine Lust mehr hätte, mich mit den Verwerfungen unserer Politik und unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen, sondern weil ich zunehmend das Gefühl habe, in einen Raum zu sprechen, in dem die meisten Menschen zwar zuhören, aber keiner antwortet.

Ich arbeite mit Leidenschaft an diesem Magazin, ich recherchiere, schreibe, hinterfrage, ich versuche, Zusammenhänge sichtbar zu machen, die im täglichen Lärm untergehen. Ich will aufklären, nicht belehren, ich will Denkanstöße geben, keine Parolen. Doch je mehr Texte ich veröffentliche, desto mehr stelle ich fest, dass ein entscheidender Teil fehlt, der Teil, der mich als Autor trägt, der Austausch mit denjenigen, die meine Texte lesen.

Ich sehe, dass Artikel geklickt werden, ich sehe Abrufe, ich sehe Reichweite, ich sehe Likes. Was ich jedoch kaum sehe, sind Stimmen, Gedanken, Rückmeldungen, Widerspruch oder Zustimmung, persönliche Eindrücke. Die Art von Resonanz, die zeigt, dass Worte irgendwo im Inneren eines Menschen etwas berührt haben.

Vielleicht ist es ein Fehler, diese Resonanz zu erwarten, vielleicht ist die digitale Welt inzwischen so konditioniert, dass wir alle schweigend konsumieren und weiterklicken. Doch als jemand, der schreibt, ist die Stille schwer zu ertragen, sie lässt mich zweifeln, ob das, was ich tue, überhaupt jemanden bewegt. Sie lässt mich fragen, ob es sich lohnt, Gedanken offen und direkt auszuformulieren, wenn sie am Ende in einem Meer aus gesichtsloser Passivität verschwinden.

Ich schreibe diesen Text nicht, um zu klagen, ich schreibe ihn, weil ich ehrlich sein möchte. Weil ich den Menschen, die hier regelmäßig mitlesen, sagen will, dass ich nicht deshalb weiterschreibe, weil es leicht wäre, sondern weil ich fest daran glaube, dass wir eine offene, klare und unbequeme Stimme brauchen. Ich glaube daran, dass Aufklärung auch dann wichtig ist, wenn sie im ersten Moment nicht gefeiert wird. Wahrheit arbeitet langsamer als Falschinformation, aber sie arbeitet tiefer.

Trotzdem bin ich ein Mensch und Menschen brauchen Rückkopplung, Worte brauchen Echo, Gedanken brauchen Reibung, auch ich brauche sie.

Deshalb diese offene Bitte an alle Leserinnen und Leser, wenn ein Text euch bewegt, irritiert, ärgert oder inspiriert, dann sagt es mir. Schreibt mir, kommentiert, diskutiert, stellt Fragen. Erzählt mir, wo ihr Widerspruch empfindet oder wo ihr euch verstanden fühlt. Es muss kein Roman sein, ein Satz reicht manchmal, um einen Autor weiterzutragen als jede Statistik.

Wir reden viel über gesellschaftliche Veränderungen. Wir reden viel darüber, dass Menschen wieder mehr miteinander reden sollten. Vielleicht ist der erste Schritt ganz einfach. Vielleicht beginnt Veränderung genau hier, im Dialog zwischen einem Schreibenden und seinen Lesern. Ohne Filter, ohne Distanz, ohne die Anonymität, in der wir uns so bequem eingerichtet haben.

Ich möchte keine Bühne, ich möchte Verbindung. Und ich hoffe, dass dieser Text ein Anfang dafür ist.

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