Mein Weg zum Glück im Alter
Glück im Alter hat für mich nichts mit kitschigen Kalenderweisheiten zu tun. Es bedeutet nicht, plötzlich nur noch gelassen in den Sonnenuntergang zu lächeln und so zu tun als wäre das Leben am Ende doch eine sanfte Veranstaltung. Dafür habe ich zu viel gesehen, zu viel erlebt und auch zu viel menschlichen Unsinn ertragen. Mein Weg zum Glück begann erst, als ich aufgehört habe mich an Illusionen festzuklammern.
Ich glaube heute, dass man im Alter vor allem eines lernen muss wenn man nicht innerlich verbittern will. Man muss konsequent aussortieren. Falsche Menschen, überflüssigen Lärm, dauernde Aufregung und das ewige Gerede der Besserwisser und Wichtigtuer. Wer sein Leben lang alles mit sich herumschleppt kommt irgendwann nicht reifer, sondern nur erschöpfter an. Glück entsteht nicht dadurch, dass alles gut ist. Es entsteht dadurch, dass man sich nicht mehr jeden Unsinn ins eigene Innere holen lässt.
Dazu gehört für mich auch, dass ich mich nicht mehr verbiegen will. Ich habe keine Lust im Alter gefälliger zu werden nur damit andere sich wohler fühlen. Ich sehe die Welt wie sie ist, mit all ihrer Heuchelei, Doppelmoral und Verlogenheit. Das macht nicht immer glücklich, aber es macht klar und Klarheit ist ein unterschätzter Frieden. Wer nicht mehr ständig so tun muss als glaube er noch an jede schöne Fassade, lebt ehrlicher, vielleicht sogar leichter.
Ein wichtiger Teil dieses Weges ist für mich das Schreiben geworden. Es ordnet meine Gedanken, hält meinen Kopf wach und verhindert, dass sich Frust und Zorn sinnlos aufstauen. Schreiben ist für mich nicht bloß Beschäftigung, es ist eine Form von innerer Hygiene. Es hilft mir nicht abzustumpfen, nicht zu schweigen und nicht aufzugeben. Gerade darin liegt für mich auch Glück, nicht im Wegsehen, sondern darin der eigenen Stimme einen Platz zu geben.
Glück im Alter finde ich außerdem in den einfachen und echten Dingen. In Ruhe, in einem guten Essen, in klaren Gesprächen und in Momenten die nicht laut sind und gerade deshalb Gewicht haben. Je älter ich werde desto weniger imponiert mir das Grelle. Ich suche nicht mehr nach dem Spektakel, sondern nach dem was trägt. Nach Würde, nach Stimmigkeit, nach einem Leben das sich nicht mehr dauernd nach fremden Erwartungen richten muss.
Mein Weg zum Glück im Alter ist deshalb kein Weg in eine weichgespülte Zufriedenheit, es ist eher der Weg zurück zu mir selbst. Weniger Ballast, weniger Theater, weniger Selbstbetrug, dafür mehr Klarheit, mehr Ruhe und mehr Mut das Eigene zu schützen. Vielleicht ist genau das am Ende das wahre Glück. Nicht dass alles leicht wird, sondern dass man endlich aufhört sich das Leben von jedem beliebigen Lärm vergiften zu lassen.
