KI – Ist künstliche Intelligenz Fluch oder Segen?
Eine dieser Fragen, bei denen man inzwischen fast schon am Tonfall erkennt, aus welchem Lager die Antwort kommen wird. Die einen wenden sich demonstrativ ab sobald sie hören oder lesen, dass ein Bild von einer künstlichen Intelligenz stammt. Andere feiern jedes neue Modell wie den nächsten Evolutionsschritt der Menschheit. Dazwischen liegt eine breite, oft erstaunlich stille Masse die KI längst konsumiert, nutzt und akzeptiert ohne es überhaupt zu bemerken.
Denn das ist eine der großen Ironien dieser Debatte. Viele empören sich über KI Bilder solange sie es wissen. Sobald sie es nicht wissen wird kommentiert, geliked und geteilt. Die Qualität ist inzwischen so hoch, dass der Unterschied für Laien oft nicht mehr erkennbar ist und sie wird nicht schlechter, sondern besser, deutlich besser.
KI ist längst aus der Experimentierecke herausgewachsen. Große Agenturen, Medienhäuser, Marketingabteilungen und Werbefirmen arbeiten täglich mit KI generierten Inhalten, nicht als Spielerei, sondern als fest integriertes Werkzeug. Kampagnenbilder, Social Media Visuals, Konzeptgrafiken, Moodbilder, das alles entsteht heute oft nicht mehr im Fotostudio, sondern am Rechner. Effizient, skalierbar und rechtlich kontrollierbar.
Genau hier liegt ein Punkt, der in vielen Diskussionen erstaunlich selten ehrlich angesprochen wird, die Bildrechte. Wer professionell publiziert, weiß, wie heikel fremdes Bildmaterial ist. Selbst sogenannte kostenlose Bilder sind oft an Bedingungen geknüpft, unklar lizenziert oder schlicht verbrannt, weil sie auf tausenden Webseiten gleichzeitig auftauchen. Eigenes Bildmaterial zu produzieren ist teuer, zeitaufwendig und in vielen Fällen schlicht unmöglich. Nicht jedes Thema lässt sich fotografieren, nicht jeder Artikel entsteht an einem Ort, an dem man mal eben eine Kamera zücken kann.
In meinem Online Magazin arbeite ich deshalb bewusst und konsequent mit KI generierten Bildern, nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Verantwortung. Ich weiß woher die Bilder kommen. Ich weiß, dass ich keine Rechte verletze und ich weiß, dass ich visuell genau das umsetzen kann, was der Text transportieren soll. Stimmung, Symbolik, Atmosphäre, all das lässt sich heute mit einer Präzision erzeugen, die vor wenigen Jahren noch undenkbar war.
Ich erinnere mich sehr gut an meine Zeit als nebenberuflicher Webdesigner. Stunden, Tage, manchmal Wochen gingen dafür drauf, halbwegs brauchbares Bildmaterial zusammenzukratzen. Stockportale durchsuchen, Lizenzen vergleichen, Kunden erklären, warum ein gutes Bild Geld kostet. Am Ende war die Kalkulation oft ein Witz, weil der Bildaufwand in keinem Verhältnis zum Projektbudget stand. Kreativität blieb dabei häufig auf der Strecke, weil man nahm was verfügbar war, nicht was ideal gewesen wäre.
Heute dreht sich dieses Verhältnis um, die KI spart nicht nur Zeit, sie öffnet kreative Räume. Sie erlaubt es, visuelle Konzepte zu denken, statt sie aus Mangel an Material zu verwerfen und ja, sie macht auch Spaß. Was als Werkzeug begann, ist für mich inzwischen ein echtes Hobby geworden. Ein Spiel mit Ideen, Stilen, Licht und Perspektiven. Ein kreativer Prozess, der oft überraschender ist als klassisches Stockmaterial.
Natürlich gibt es auch Schattenseiten. Die Angst vor Jobverlusten ist real, besonders in kreativen Berufen. Die Frage nach Originalität, nach Urheberschaft, nach ethischen Grenzen ist berechtigt, KI kann missbraucht werden. Sie kann täuschen, manipulieren, vereinfachen wo Differenzierung nötig wäre. All das sollte man nicht kleinreden.
Aber Technik war nie neutral und nie aufzuhalten. Die Druckerpresse, die Fotografie, das Internet, jede dieser Entwicklungen wurde zunächst verteufelt, dann reguliert und schließlich selbstverständlich. KI ist kein vorübergehender Trend, sie ist ein struktureller Wandel. Wer glaubt, man könne sie ignorieren oder zurückdrehen, verkennt die Realität.
Die entscheidende Frage lautet nicht ob KI gut oder schlecht ist, die Frage lautet, wie wir sie nutzen. Ob wir sie als billigen Ersatz missverstehen oder als leistungsfähiges Werkzeug begreifen. Ob wir Transparenz schaffen oder künstliche Empörung pflegen. Ob wir uns der Technik verweigern oder lernen, souverän mit ihr umzugehen.
Für mich ist die Antwort klar, KI ist gekommen, um zu bleiben. Sie ist Teil meiner Arbeit, Teil meines kreativen Prozesses und Teil der Zukunft medialer Inhalte. Wenn ich ehrlich bin, bin ich vor allem eines, gespannt. Denn das was wir heute sehen, ist erst der Anfang.
