Jahresrückblick auf 2025

Jahresrückblick auf 2025 – Beobachtungen zwischen Weltgeschehen und privatem Glück

2025 war kein Jahr, das man vermissen wird. Es war laut, widersprüchlich, überladen und in vielen Momenten schlicht erschöpfend, ein Jahr in dem die Welt permanent im Krisenmodus verharrte ohne je zur Ruhe zu kommen. Kaum war ein Konflikt aus den Schlagzeilen verschwunden, drängte sich der nächste nach vorn. Politische Entscheidungen wirkten häufig fahrig, wirtschaftliche Perspektiven blieben unscharf, gesellschaftliche Debatten kippten immer schneller ins Gereizte. Vieles geschah gleichzeitig, wenig wurde zu Ende gedacht.

Was dieses Jahr so anstrengend machte war weniger das einzelne Ereignis als das Gefühl der Dauerüberforderung. Die Nachrichtenlage kannte keinen Leerlauf mehr, Kriege wurden zur Hintergrundkulisse, politische Fehlleistungen zur Routine und Empörung zur Währung. Es war ein Jahr in dem viele Menschen nicht mehr zwischen wichtig und laut unterschieden haben, sondern einfach nur noch reagierten. Die Welt wirkte nervös, überdreht, ungeduldig mit sich selbst.

Als Autor und Redakteur beobachtet man so ein Jahr zwangsläufig mit einer gewissen Distanz. Man analysiert, ordnet ein, vergleicht und sucht Muster. 2025 bot davon reichlich, ein zentrales Muster war die Gleichzeitigkeit von allem. Krise hier, Hoffnung dort, Fortschritt an einer Stelle, Rückschritt an der nächsten. Das große Narrativ fehlte, stattdessen entstand ein Mosaik aus Einzelteilen, das sich nur schwer zu einem stimmigen Gesamtbild fügen ließ.

Und doch wäre es falsch dieses Jahr ausschließlich als verloren oder düster zu beschreiben, denn parallel zu all dem was draußen geschah existierte ein anderes 2025. Ein leiseres, persönlicheres, oft unsichtbares, eines das nicht in Statistiken auftauchte und keine Schlagzeilen erzeugte.

Für mich war 2025 auch ein Jahr der Erleichterung. Nach einem Arbeitsleben in Deutschland habe ich meinen offiziellen Ruhestand erreicht, ein Punkt auf den man lange hinarbeitet und von dem man nie genau weiß wie er sich anfühlen wird wenn er tatsächlich da ist. In meinem Fall war es vor allem eines, ruhig und alles war geklärt, nichts offen, nichts kompliziert. Der Übergang verlief reibungslos, keine Ungewissheit, kein bürokratisches Chaos, kein Nachhall alter Sorgen. Das allein war bereits ein Geschenk.

Es war auch ein Jahr der Nähe. Meine Frau und ich haben viele gute Stunden miteinander verbracht, oft unspektakulär, aber bewusst. Gespräche, gemeinsames Lachen und gegenseitiger Halt. Wahre Freundschaften haben sich weiter gefestigt. Es sind Menschen, die aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken sind und bei denen klar ist, dass daran nichts mehr geändert werden darf. Diese Verlässlichkeit ist nicht selbstverständlich, sie entsteht nicht nebenbei, sie wächst über Jahre. 2025 hat gezeigt wie wertvoll sie ist.

Sechs Jahre Leben in Bulgarien durften wir in diesem Jahr ebenfalls feiern. Kein Experiment, keine Übergangsphase, sondern perfekter Alltag im besten Sinne. Dazu kam schöner Besuch aus Deutschland, vertraute Gesichter und viel gemeinsame Zeit. Begegnungen, die nicht nostalgisch waren, sondern lebendig, als hätte sich etwas geschlossen, ohne sich abzuschließen.

Vielleicht das Wichtigste, es war ein weiteres Jahr das wir gesund überstanden haben. In Zeiten, in denen Krankheit, Erschöpfung und Überforderung allgegenwärtig sind, ist das kein Nebensatz. Gesundheit fällt erst dann auf, wenn sie fehlt, dankbar zu sein wenn sie da ist, ist kein Pathos sondern Vernunft.

All das steht nicht im Widerspruch zu der Welt, wie sie sich 2025 gezeigt hat, es existiert parallel zu ihr. Die Welt mag negativ sein, chaotisch, unerquicklich, aber umso wichtiger ist es sich die kleinen Dinge nicht nehmen zu lassen. Gute Gespräche, verlässliche Menschen, ein ruhiger Moment und das Wissen angekommen zu sein. Das alles löst keine globalen Probleme, aber es macht sie erträglicher.

2025 hinterlässt kein klares Fazit. Es gibt keinen einfachen Satz der dieses Jahr zusammenfasst, aber es bleibt die Erkenntnis das man nicht alles kontrollieren muss um gut durchzukommen, dass Aufmerksamkeit wichtiger ist als Lautstärke und dass Glück oft dort entsteht, wo man es nicht ausstellt, sondern einfach lebt.

Mit diesem Gedanken endet das Jahr, nicht optimistisch im klassischen Sinn, nicht resigniert, sondern wach und bereit weiter genau hinzusehen, nach außen und nach innen.

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