Ist Leben in Deutschland noch lebenswert – oder nur noch ein perfekt organisierter Absturz
Deutschland fragt sich inzwischen nicht mehr wie es besser werden kann, sondern wie lange man dieses permanente Dröhnen noch erträgt, ohne innerlich auszusteigen. „Lebenswert“ ist längst kein romantischer Begriff mehr, sondern eine Bilanzfrage. Was bekomme ich zurück für all die Abgaben, all die Regeln, all die Lebenszeit, die ich in dieses System hineinwerfe. Die Antwort fällt für immer mehr Menschen aus wie ein Schlag ins Gesicht. Man arbeitet, man gehorcht, man zahlt, man passt sich an, man schluckt, man nickt. Man bekommt dafür ein Land das einen behandelt wie einen Störfaktor, den man mit Vorschriften, Gebühren, Belehrungen und Misstrauen in Form pressen muss.
Der Alltag ist nicht einfach anstrengend, er ist absichtlich anstrengend. Stress ist keine Nebenwirkung, er ist das Design. Alles muss nachgewiesen werden, alles muss beantragt werden, alles muss dokumentiert werden, bis selbst das normale Leben wirkt wie eine schlecht programmierte Behörde mit Menschenhaut. Jede Lebenslage wird in Paragrafen zerlegt und dann so lange reguliert, bis niemand mehr weiß ob er noch frei handelt oder nur ein Formular in Bewegung ist. Deutschland ist ein Land das sich in Regeln verliebt hat, weil Regeln das einzige sind was noch zuverlässig wächst. Fortschritt, Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Wohlstand, all das wird verwaltet wie ein sterbender Garten, aber beim Verordnen und Gängeln hat man noch den Ehrgeiz eines Weltmeisters. Wer sich dagegen wehrt, bekommt keine Argumente, sondern moralische Ohrfeigen. Wer zu laut wird, wird nicht widerlegt sondern etikettiert. So entsteht dieser klebrige Zustand in dem alles offiziell „für die Menschen“ passiert, aber die Menschen sich jeden Tag weniger als Subjekt fühlen und mehr als Akte.
Der Kern des Problems heißt Macht ohne Verantwortung. In Deutschland kann man ganze Lebensbereiche zerstören ohne persönlich dafür zu zahlen. Die politische Klasse kann sich irren, sich verrechnen, sich verrennen, kann Fehlentscheidungen stapeln wie Aktenordner, kann mit großem Ernst ankündigen was dann nicht funktioniert und im nächsten Satz erklären, warum man dafür bitte noch mehr Geld, noch mehr Geduld und noch mehr Gehorsam brauche. Das ist keine Führung, das ist eine endlose Zumutung mit Dienstwagen. Das Gift in diesem System ist die Arroganz mit der man von oben auf die Wirklichkeit schaut, als sei sie nur ein lästiges Geräusch unterhalb der eigenen Debatten. Wer unter Druck steht soll sich „resilient“ nennen. Wer nicht mehr kann, soll sich „neu orientieren“. Wer die Rechnung nicht bezahlen kann, soll „Prioritäten setzen“. Der Ton ist oft geschniegelt, der Inhalt ist verächtlich.
Berlin ist der Hauptspot dieses Elends, der Brutkasten in dem sich die schlimmsten Reflexe dieses Landes verdichten. Berlin ist nicht einfach Hauptstadt, Berlin ist eine Haltung. Berlin ist das Biotop in dem man Probleme nicht löst, sondern bespricht, in dem man sich selbst für bedeutend hält während draußen die Dinge verfallen. Berlin ist die Fabrik in der neue Regeln, neue Kampagnen, neue Sprechblasen und neue Umverteilungsideen entstehen, die dann wie klebriger Nebel über das Land ziehen. Berlin ist der Ort an dem man sich für moralisch überlegen hält, weil man weit genug weg ist von dem was man mit seinen Entscheidungen anrichtet. Berlin ist die Bühne auf der man über „die Menschen“ redet, ohne mit ihnen leben zu müssen. Berlin ist der Knotenpunkt aus Parteiapparat, Lobby, Ministerien, Talkshowmoral und NGO Selbstgewissheit. Wer wissen will warum Deutschland sich so oft selbst im Weg steht muss nicht in die Provinz schauen. Er muss nach Berlin schauen, dorthin wo das Land sich in schöner Sprache selbst belügt.
Die wirtschaftliche Seite ist die zweite Ohrfeige. Preise steigen, Lebenshaltung frisst Einkommen während man den Menschen erzählt, sie sollten sich nicht so anstellen, das sei eben „die Lage“. Es ist nicht nur teurer geworden, es ist entwürdigender geworden. Der Supermarkt ist für viele kein normaler Ort mehr, sondern eine Stelle an der man merkt, wie klein das eigene Leben im Verhältnis zum System geworden ist. Miete, Energie, Versicherungen, Reparaturen, selbst der normale Wocheneinkauf wirken wie ständige Strafzahlungen dafür, dass man existiert. Wer sparen muss spart nicht an Luxus, sondern an Normalität. Wer nicht mehr in den Urlaub fährt verzichtet nicht auf Champagner, sondern auf Luft. Erholung wird zur Rechenaufgabe. Freizeit wird zum Fenster, das sich kaum noch öffnet, weil Arbeit, Wege, Termine, Verpflichtungen und Geldsorgen alles zuschieben.
Das Gesundheitswesen, einst Stolz, wirkt vielerorts wie ein überlasteter Betrieb der noch mit Gewohnheit funktioniert. Wartezeiten, Personalmangel, Erschöpfung, knappe Kapazitäten, gestresstes Personal, Patienten als Durchlaufposten, weil das System sonst kollabiert. Man zahlt und zahlt, man wird älter und empfindlicher, man hofft auf Sicherheit, man bekommt stattdessen das Gefühl, dass man im Zweifel selbst sehen muss wie man klarkommt. Pflege ist in vielen Köpfen längst kein Versprechen mehr, sondern ein Albtraum den man verdrängt, bis er plötzlich vor der Tür steht. Ein Land das sich moralisch so gern groß macht lässt ausgerechnet dort die Menschen hängen, wo sie am verletzlichsten sind.
Altersarmut ist der stille Skandal, den man mit jeder Sonntagsrede über „Respekt“ übertönt. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat sollte nicht rechnen müssen, ob er im Winter die Wohnung warm halten kann. Wer sein Leben lang Beiträge gezahlt hat, sollte nicht vor dem Spiegel stehen und sich fragen ob das alles ein Fehler war. Deutschland hat eine grauenhafte Eigenschaft entwickelt. Es verurteilt Menschen nicht offen, es lässt sie einfach langsam absacken und nennt das dann „individuelle Lebenslage“. Das ist die sauberste Form der Kälte, niemand muss schreien wenn man das Messer leise ansetzt.
Migration gehört in diese Realität weil sie im Alltag nicht als philosophische Debatte auftaucht, sondern als Erfahrung mit einem Staat der sich selbst nicht mehr ernst nimmt. Wer Regeln hat, aber sie nicht durchsetzt verliert Respekt. Wer Grenzen hat, aber so tut als seien Grenzen nur ein Gefühl verliert Ordnung. Wer Integration fordert, aber Überforderung produziert erzeugt Spannungen, Misstrauen und Frust. Es gibt dunkle Seiten die jeder sieht der nicht in Berlin in einer Blase lebt. Es gibt Probleme mit Kriminalität, es gibt Parallelwelten, es gibt Konflikte auf Straßen und in Vierteln, es gibt eine wachsende Unsicherheit die man den Menschen erst ausredet und dann als „gefühlte Wahrnehmung“ abwertet. Das Absurde ist, dass man damit zwei Dinge gleichzeitig erreicht. Man vergiftet das Zusammenleben weil man Probleme nicht ehrlich benennt. Man liefert Populisten Futter, weil man die Realität zu lange schönredet. Am Ende stehen wieder normale Leute da, die nichts als Ruhe wollen und bekommen entweder Moralpredigten oder billige Parolen serviert, während der Staat weiterhin nicht liefert.
Das Bildungssystem ist die Werkstatt der Zukunft sagt man. In der Praxis wirkt es oft wie ein Notbetrieb der sich durchhangelt. Lehrermangel, Überforderung, Disziplinprobleme, sinkende Standards, Ideologie statt Bildung, Verwaltung statt Pädagogik. Kinder lernen früh, dass das System Ansprüche stellt aber selbst nicht organisiert ist. Eltern werden zu Hilfslehrern, weil man sie lässt. Schüler werden durchgeschoben, weil man Statistiken braucht. Wer später über Fachkräftemangel klagt sollte sich schämen wenn er gleichzeitig ein System verteidigt, das Bildung wie eine lästige Pflicht behandelt und nicht wie den Kern einer funktionierenden Gesellschaft.
So entsteht dieses Gesamtbild das viele nicht mehr wegdiskutieren können. Zu wenig Freizeit, zu viel Druck, zu viele Regeln, zu wenig Ergebnis. Angst vor Jobverlust, Angst vor Absturz, Angst vor dem nächsten Brief mit einer Forderung die man nicht versteht und trotzdem bezahlen muss. Ausgrenzung funktioniert dabei nicht nur sozial, sondern kulturell. Wer nicht die richtigen Worte benutzt gilt schnell als Problem. Wer nicht die richtige Haltung zeigt bekommt die kalte Schulter. Deutschland redet gern von Vielfalt, erträgt aber oft nur die Vielfalt innerhalb eines engen Meinungskorridors. Das macht müde, das macht zynisch, das macht aggressiv, selbst bei Menschen die früher geduldig waren.
Ist Leben in Deutschland noch lebenswert? Für jene die in Berlin die Fäden ziehen, die von der Maschine leben, die sich durch Netzwerke und Positionen schützen, ist es bequem. Für viele andere ist es ein Land geworden das einem ständig in die Tasche greift, ständig ins Leben redet, ständig „Solidarität“ fordert, während es selbst immer weniger solide liefert. Es ist ein Land das sich moralisch aufbläst, während es praktisch verkommt. Es ist ein Land das seine Bürger erzieht, aber seine Eliten nicht zur Verantwortung zwingt. Wer das nicht mehr als lebenswert empfindet ist nicht schwach, er ist nur noch ehrlich.
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