30. November 2025
Angriff auf tanker

Drohnen, Tanker, Schwarzes Meer – was wirklich passiert ist und was das für Bulgarien bedeutet

Vor der türkischen Schwarzmeerküste sind zwei große Öltanker in getrennten Vorfällen von Explosionen getroffen worden und in Brand geraten. Es geht um die Schiffe „Kairos“ und „Virat“, beide über 200 Meter lang und beide auf internationalen Sanktionslisten, weil sie zur russischen sogenannten „Schattenflotte“ gehören, die trotz Sanktionen Öl aus russischen Häfen transportiert. Die „Kairos“ meldete eine Explosion rund 28 Seemeilen vor der Küste der Provinz Kocaeli und geriet in Brand, kurz darauf meldete die „Virat“ etwa 35 Seemeilen vor der Küste ebenfalls einen Treffer und starke Rauchentwicklung im Maschinenraum. Alle Besatzungsmitglieder beider Schiffe wurden laut türkischen Behörden gerettet, Verletzte oder Tote wurden nicht gemeldet, beide Tanker waren zum Zeitpunkt der Explosionen ohne Ladung unterwegs.

Die Ursache ist noch nicht eindeutig geklärt, offiziell spricht die türkische Seite von „externer Einwirkung“. Der Transportminister nennt als Möglichkeiten eine Mine, eine Rakete, ein unbemanntes Oberflächenfahrzeug oder eine Drohne. Später erklärte das Ministerium konkret, die „Virat“ sei von unbemannten Fahrzeugen angegriffen und sogar zweimal getroffen worden, habe aber nur begrenzte Schäden oberhalb der Wasserlinie erlitten. Wer hinter den Angriffen steckt, ist bisher nicht bekannt. Klar ist nur, dass es sich nicht um gewöhnliche Bordschäden handelt, sondern um Ereignisse mit militärischer oder halbmilitärischer Ursache in einem Meer, das seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine mit Treibminen, Drohnen und anderen Waffen belastet ist.

Für Bulgarien heißt das im Moment, aufmerksam bleiben, aber keine Panik. Die Vorfälle ereigneten sich nahe der Einfahrt zum Bosporus, deutlich südwestlich der bulgarischen Küste. Getroffen wurden ganz gezielt zwei sanktionierte Schiffe, die im Zusammenhang mit russischen Ölexporten stehen, nicht zufällige Frachter auf dem Weg nach Burgas oder Varna. Nach allem, was bisher bekannt ist, gibt es weder Hinweise auf direkte Angriffe in der Nähe bulgarischer Häfen noch auf akute Umweltverschmutzung durch austretendes Öl, weil die Tanker leer waren.

Trotzdem betrifft uns die Entwicklung indirekt. Das Schwarze Meer wird immer klarer als Risikozone gesehen, in der nicht nur Minen, sondern auch Drohnen und andere unbemannte Systeme eingesetzt werden. Genau deshalb haben Bulgarien, Rumänien und die Türkei bereits 2024 eine gemeinsame Minenräum-Initiative gestartet, um die Sicherheit der Schifffahrt zu verbessern. Solche Vorfälle können langfristig Versicherungen, Frachtkosten und Routen beeinflussen und sie erinnern daran, dass ein Tankerbrand im Extremfall auch ökologische Folgen für Küstenanrainer haben kann. Der aktuelle Stand ist aber nüchtern gesagt dieser, zwei sanktionierte Tanker der russischen Schattenflotte wurden vor der Türkei durch externe Einwirkung beschädigt, ihre Besatzungen sind in Sicherheit, die Ursache wird untersucht, und für die bulgarische Küste gibt es derzeit keinen unmittelbaren, konkreten Sicherheitsalarm, nur ein erhöhtes Bedürfnis, Entwicklungen im Schwarzen Meer aufmerksam und sachlich zu verfolgen.

Zum Schluss noch ein Wort in eigener Sache.

In den nächsten Tagen werden sich die üblichen Verdächtigen auf diese Tanker-Vorfälle stürzen. Nachrichtensender, Klickportale, Facebook-Seiten, anonyme Telegram-Kanäle und die bekannten Propagandaplattformen werden versuchen, aus jedem Funken ein Weltuntergangsszenario zu basteln oder die Ereignisse so zu drehen, dass sie in ihre Lieblingsgeschichte passen. Mal ist es der Beweis für den Dritten Weltkrieg, mal der Beweis für die totale Lüge des Westens, mal der angebliche Untergang der Ukraine. Bitte fallt auf dieses Dauerfeuer nicht rein.

Wenn ihr zu diesem Thema weiterlest, prüft die Quellen sorgfältig, achtet auf klare Fakten, nicht auf markige Sprüche und anonyme „Insider“. Fragt euch bei jeder Schlagzeile, wer davon profitiert, wenn ihr jetzt panisch, wütend oder hoffnungslos werdet, genau dagegen richtet sich dieser Artikel. Wir leben am Schwarzen Meer, also mitten in einer heiklen Region, aber wir sind nicht dazu verpflichtet, jede Verdrehung und jeden Fake als Wahrheit zu akzeptieren. Nüchtern bleiben, Informationen abgleichen, Propaganda erkennen und beiseiteschieben, das ist im Moment der beste Selbstschutz.

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