Ich setze an, wo andere wegschauen.
BERND LANGE
Publizist & Herausgeber
Ich bin Bernd Lange, Jahrgang 1962. Publizist, Herausgeber, Autor.
Was mich ausmacht, lässt sich nicht sinnvoll über Stationen oder Titel erklären. Es erklärt sich über Haltung, über Denkweise, über eine Form, in der ich seit jeher in der Welt stehe.
Schon früh war mein Verhältnis zur Realität von Distanz geprägt, nicht aus Ablehnung, sondern aus Beobachtung. Während andere sich selbstverständlich in soziale Rollen, Narrative und Zugehörigkeiten einfügten, nahm ich diese als Konstruktionen wahr. Ich verstand früh, dass vieles, was als Moral ausgegeben wird, situativ ist, dass Empörung oft Theater und Zugehörigkeit wichtiger als Wahrheit ist. Diese Erkenntnis machte mich nicht besser, aber sie machte es mir unmöglich, vollständig mitzuspielen.
Ich hatte nie ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Nähe im Allgemeinen, mein Bezug zu Menschen war immer selektiv. Wenige reichten mir, der Rest blieb Hintergrund. Das wurde mir lange als Kälte oder Egoismus ausgelegt, tatsächlich handelt es sich um einen funktionalen Egoismus. Ich brauche innere Stimmigkeit mehr als soziale Wärme, Kohärenz mehr als Harmonie, Wahrheit mehr als Applaus.
Bis 2019 war Berlin mein berufliches Revier. Ich war in jeder Ecke unterwegs, vom glänzenden Schaufenster bis ins Hinterzimmer, von offizieller Darstellung bis zur tatsächlichen Machtmechanik. Irgendwann wurde klar, dass Nähe nicht automatisch Erkenntnis schafft, sondern oft Blindheit. Der Schritt nach Burgas ans Schwarze Meer war keine Flucht, sondern eine Entscheidung. Abstand, Luft, Unabhängigkeit, Voraussetzungen für klare Sicht.
Was mich antreibt, ist kein Aktivismus, keine Ideologie und kein Lagerdenken. Mich treiben Fakten, Belege vor Parolen, Quellen vor Gefühlen und Kausalitäten statt Schlagworte. Ich verlange Nachweise, prüfe Zusammenhänge und lege frei, was sonst dekoriert oder verschleiert wird. Politik und Wirtschaft, Pharma und Krieg, Korruption und die Bürokratien, die all das zusammenhalten. Reden ist nur dann frei, wenn es nicht gelenkt wird, Zensur und Framing sind rote Linien.
Meine Stärke liegt in Analyse und Verknüpfung. Ich erkenne Muster, die im allgemeinen Rauschen untergehen, und verbinde Punkte, die man lieber getrennt halten würde. Ich halte Druck aus, scheue Konfrontation nicht und arbeite so lange an einer Recherche, bis sie trägt. Wenn neue Fakten eine Einschätzung kippen, korrigiere ich, dem Leser gegenüber fair, mir selbst gegenüber kompromisslos. Genau dafür war Distanz notwendig denn Nähe macht blind, aber Abstand schärft.
Ich kenne meine Schwächen, Floskeln machen mich ungeduldig, dann wird der Ton hart. Institutionen begegne ich mit Grundskepsis, deshalb arbeite ich bewusst mit Gegenquellen, auch gegen den eigenen Bias. Ich kann mich festbeißen, bis mir die Zeit davonläuft. Delegieren fällt mir schwer, ich mag Kontrolle, klare Werkzeuge und keine Zierrate. Rhetorisch bin ich scharfkantig, wer Weichspüler erwartet, wird enttäuscht.
Was mich triggert, ist Schönrederei, Presse-Sprech, ideologisches Framing und der soziale Lärm großer Meinungen ohne kleine Belege. Was ich schätze, sind Gegenargumente mit Quellen, klare Sprache, klare Zahlen und Menschen, die erst prüfen und dann reden.
Wie man mit mir arbeitet, ist einfach, mit Evidenz, nicht mit Bauchgefühl. „Ich weiß es nicht“ ist eine ehrliche Antwort, die ich respektiere, Widerspruch ist willkommen, solange er sauber begründet ist. Wer mich überzeugen will, bringt Daten, Primärquellen und stellt sich selbst die Frage, was die eigene These widerlegen würde.
Ich schreibe nicht, um gemocht zu werden, ich schreibe, um aufzubrechen, was festgefahren ist. Mein Leitsatz ist schlicht und bleibt es auch, ich setze den Keil an und schlage, bis es knackt. Nicht aus Lust an der Zerstörung, sondern weil Wahrheit selten von selbst sichtbar wird.
Lange habe ich diesen Schreibdrang in mir getragen, ohne ihn konsequent umzusetzen. Nicht, weil mir etwas gefehlt hätte, sondern weil mir die Klarheit fehlte, wofür ich schreibe. Heute weiß ich es, schreiben ist für mich kein Dialog, keine Therapie und kein Hobby, es ist ein Ordnungssystem. Eine Form, mein Denken unabhängig von mir selbst existieren zu lassen, eine Spur zu hinterlassen, nicht für Menschen, sondern für die Zeit, auch dann, wenn niemand mehr liest.
Wir leben in einer Zeit, in der Meinung Wissen ersetzt hat, Lautstärke Kompetenz und Wiederholung Wahrheit. Soziale Plattformen produzieren Dauerrauschen, aber keine Erkenntnis. Information wird mit Bildung verwechselt, Haltung mit Denken. Was viral geht, ist selten korrekt, und was korrekt ist, geht im Algorithmus unter. Das ist keine Kulturkritik, sondern eine nüchterne Beobachtung.
Ich schreibe für intellektuellen Selbstschutz, gegen geistige Umweltverschmutzung und für eine Schneise im Dickicht aus Halbwahrheiten und moralischem Müll. Dieses Magazin ist kein Ort für Konsens, es ist ein Arbeitsraum für Klarheit. Wer bleiben will, muss denken können, wer nur Recht haben will, kann gehen.
Ich weiß, dass kritisches Schreiben in Zeiten moralischer Gleichschaltung reflexhaft etikettiert wird, die Schubladen liegen bereit. Putintroll, Extremist, Verschwörungstheoretiker. Deshalb sage ich es offen, auch ich kann mich irren, absolute Sicherheit gibt es nicht. Der Unterschied ist, dass ich prüfe, vergleiche, offenlege und korrigiere, wenn es nötig ist, nicht aus Schwäche, sondern aus intellektueller Redlichkeit.
Ich bin kein Politiker, kein Aktivist und kein Ideologe.
Ich bin ein Autor, der schreibt, weil er sonst bedeutungslos wäre.
Und „Der Keil“ ist mein Werkzeug.
Sie haben Fragen – ich habe Zeit
Sie haben Fragen zum Magazin, zu meinen Texten, Recherchen oder Romanen?
Dann schreiben Sie mir.
Egal ob Widerspruch oder Zustimmung – Hauptsache Substanz.
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