Tennessee whiskey

Tennessy Whiskey, wenn ein Song wie ein guter Dram brennt

Manche Songs sind wie ein guter Dram, sie erklären nichts, sie überzeugen. „Tennessee Whiskey“ ist so ein Stück. Du drückst Play und plötzlich steht der Raum anders da. Das Licht wird weicher, die Geräusche werden höflicher und irgendwo zwischen erster Zeile und erstem Refrain passiert dieses kleine unverschämte Wunder, das man nicht planen kann. Es fühlt sich an, als hätte jemand den Alltag kurz vor die Tür gesetzt, mit dem freundlichen Hinweis er könne später wiederkommen. Genau deshalb passt dieser Song so gut in unsere Whiskey Lounge, weil er nicht nur klingt sondern wirkt.

Was viele nicht wissen und was ich an der Geschichte liebe, ist der Anfang der so typisch Nashville ist das er fast schon nach Mythen riecht. Geschrieben wurde „Tennessee Whiskey“ Anfang der Achtziger von Dean Dillon und Linda Hargrove, zwei Songwriter die sich in Nashville begegneten und die Nummer wohl in einer Nachtaktion fertig machten. Diese berühmte Uhrzeit, in der alles entweder genial wird oder peinlich, irgendwo um vier Uhr morgens. Dann kommt der nächste klassische Dreh. Das Lied wurde zunächst einem ganz Großen angeboten, George Strait, der es ablehnte. So etwas ist im Nachhinein immer komisch, wie wenn dir jemand erzählt, er hätte damals einen Koffer voller Gold nicht mitgenommen weil er keine Lust hatte zu schleppen. Am Ende nahm David Allan Coe den Song auf, später machte George Jones daraus einen echten Country-Hit. Erst Jahrzehnte später bekam das Stück durch Chris Stapletons Version noch einmal dieses zweite Leben, dieses größere, breitere und zeitlose.

Und Stapletons „Tennessee Whiskey“ ist genau die Sorte Interpretation, die man wie einen schweren dunklen Whiskey wahrnimmt, der nicht schreit aber alles dominiert. Diese Stimme hat Sandpapier und Samt zugleich und sie erzählt nicht nur von Liebe, sie erzählt von Abhängigkeit, von Schwerkraft, von diesem süßen Problem das man eigentlich gar nicht lösen will. Seine Version erschien auf dem Album „Traveler“ und wurde spätestens durch den gemeinsamen Auftritt mit Justin Timberlake bei den CMA Awards 2015 endgültig in die Popkultur einbetoniert. Inzwischen ist das nicht mehr nur ein Song, das ist ein Monument und laut RIAA Zahlen und Berichten aus der Musikpresse steht Stapletons Aufnahme bei über 20 Millionen Einheiten in den USA, was sie in eine extrem exklusive Liga katapultiert.

Jetzt kommt der Moment in der Lounge in dem ich dir leise zuflüstere, dass ich heute nicht die Stapleton-Version als Video setze, obwohl sie natürlich großartig ist. Heute wird es die Gänsehaut-Variante von VoicePlay. A cappella, keine Instrumente, kein Netz, kein doppelter Boden. Nur Stimmen, die sich so sauber ineinander verhaken, dass es plötzlich klingt als wäre da doch eine ganze Band im Raum. VoicePlay ist eine Vocal Group aus Orlando Florida und in der aktuellen Besetzung stehen da Namen, die man sich als Whiskeyfreund ruhig merken darf, Geoff Castellucci, Layne Stein, Eli Jacobson und Cesar De La Rosa. Die Jungs bauen ihre Arrangements wie Destillateure, Schicht für Schicht, mit Geduld, Präzision und diesem feinen Gespür dafür, wann man etwas stehen lassen muss statt es zuzukleistern.

Ihre veröffentlichte „Tennessee Whiskey“ Version ist auf YouTube als offizieller Release zu finden, datiert auf April 2019 und ich wette, du erkennst den Moment sofort an dem es dich erwischt. Bei mir ist es diese Mischung aus Bassfundament und der Art wie die Harmonien sich langsam öffnen, wie eine Tür die man nicht knallen lassen will. Das ist die Sorte Musik bei der man automatisch leiser spricht, nicht weil man muss, sondern weil man will das sie bleibt.

Und damit sind wir wieder beim Whiskey, weil genau darum geht es hier ja, Musik als Verstärker für Geschmack und Geschmack als Verstärker für Musik. „Tennessee Whiskey“ ist im Kern ein Liebeslied, aber es trägt diese dunkle Süße in sich die man auch im Glas kennt. Vanille, Karamell, ein Hauch Rauch, vielleicht etwas Eiche und darunter dieses warme Brennen das nicht weh tut, sondern tröstet. Der Song sagt im Grunde, dass Liebe einen verändern kann wie ein guter Drink, gefährlich, schön, ehrlich und VoicePlay beweist, dass man dafür keine Instrumente braucht. Man braucht nur Stimmen, die wissen wann sie drücken und wann sie loslassen.

Also machen wir es heute so, du nimmst dir ein Glas, nicht um dich abzuschießen, sondern um genauer hinzuhören. Du lässt VoicePlay laufen, schaust nicht aufs Handy, diskutierst nicht mit dem Wetter und auch nicht mit dem Weltgeschehen, zumindest für diese paar Minuten nicht. Wenn dann die Gänsehaut kommt tust du so, als wäre das völlig normal. In Wahrheit ist es ein kleines Privileg, genau dafür gibt es diese Lounge.

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