Rückwanderung – Bulgarien ist kein Altersheim für gescheiterte Lebensentwürfe
Man muss es inzwischen klar sagen, auch wenn es wehtut und manchen moralisch empört. Ein Teil der deutschen Auswanderer die Bulgarien jetzt wieder verlassen, war nie hier um anzukommen, sie waren hier um auszunutzen. Um mit einer mickrigen Rente ein Leben zu führen, das sie sich in Deutschland selbst verbaut haben und jetzt, wo es nicht mehr spottbillig ist packen sie ihre Koffer und tun so, als sei das Land schuld.
Diese Menschen haben in Deutschland jahrzehntelang in einem der teuersten und gleichzeitig sozial am besten abgesicherten Systeme Europas gelebt. Wer dort am Ende mit einer Rente landet die kaum reicht hat selten nur Pech gehabt. Meist war es eine Mischung aus falschen Entscheidungen, Bequemlichkeit, Illusionen oder schlicht Verantwortungslosigkeit und genau diese Rechnung sollte dann Bulgarien begleichen. Niedrige Mieten, billige Dienstleistungen, Ärzte die bitte auf Deutsch funktionieren sollen. Ein Staat, der nichts kostet und alles liefert. Das war nie realistisch und es war auch nie fair.
Bulgarien ist kein Billigland mehr, diese Wahrheit ignorieren viele so lange, bis sie ihnen direkt ins Portemonnaie greift. Die Preise haben sich angeglichen, nicht weil Bulgarien gierig geworden ist, sondern weil das Leben hier real ist. Energie kostet Geld, Arbeit kostet Geld und Infrastruktur kostet Geld. Wer erwartet dauerhaft auf Kosten eines ärmeren Landes zu leben, während er selbst nichts beiträgt, verhält sich nicht clever sondern parasitär.
Besonders unerquicklich war dabei die Haltung vieler dieser Auswanderer. Kein Interesse an Sprache, kein Respekt vor Mentalität und kein Verständnis für Strukturen. Stattdessen Dauermeckern, besserwisserische Vergleiche mit Deutschland und eine latente Verachtung für alles, was nicht so funktioniert wie früher in ihrer Heimat. Gleichzeitig die Erwartung das man selbst bitte mit Samthandschuhen angefasst wird, weil man ja Rentner ist und angeblich schon genug geleistet hat.
Jetzt bröckelt dieses Kartenhaus. Der Euro, die Preisangleichung, der Realitätscheck und plötzlich reicht das Geld nicht mehr. Plötzlich ist Bulgarien nicht mehr bequem und plötzlich wird gepackt. Spediteure berichten von Rückzügen, von enttäuschten Gesichtern, von bitteren Kommentaren, als hätte ihnen jemand etwas weggenommen, was ihnen nie gehört hat.
Ich bin nicht traurig über jeden der geht, im Gegenteil. Wer nur hier war um billig zu leben, ohne etwas zurückzugeben hinterlässt kein Loch. Er hinterlässt höchstens eine leere Wohnung und ein paar verbitterte Facebook-Posts. Bulgarien braucht keine Auswanderer, die das Land wie einen Discounter behandeln. Es braucht Menschen die bewusst hier leben wollen, mit allen Konsequenzen, mit Respekt und mit Eigenverantwortung.
Diese Zeiten des Selbstbetrugs sind vorbei und das ist gut so.
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