Sechs Jahre Heimat am Meer – Unser Leben begann in Burgas neu
Es gibt Tage, an denen man innehält und begreift, wie viel ein einziger Entschluss verändern kann. Heute vor sechs Jahren standen wir vor dem Grundstück unserer neuen Wohnung in Bulgarien, unser alter SUV schwer beladen, der Anhänger voll mit nichts als unseren wenigen persönlichen Dingen und dem Glauben daran, dass ein neues Leben möglich ist. Kein Plan B, keine Hintertür, nur die Entscheidung endlich dorthin zu gehen, wo wir uns richtig fühlten. Wir hatten Bulgarien vorher bereist, neugierig, offen, suchend. Burgas hat uns damals auf eine stille, aber sehr bestimmte Weise gesagt, dass wir bleiben sollen. Und wir haben zugehört.
Die Wohnung war bereits angemietet, eingerichtet, bereit für uns, als hätte jemand den Raum vorgewärmt, damit wir nur noch eintreten müssen. Wir kamen an, drehten den Haustürschlüssel und merkten, dass ein Kapitel ohne Kampf beginnt. Kein Chaos, keine Hürden, keine der üblichen Dramen, die Auswanderer gerne erzählen. Stattdessen das Gegenteil, ein Start, der so glatt verlief, dass man bis heute manchmal darüber staunt, wie selbstverständlich sich alles gefügt hat.
Seit jenem Tag hat uns Burgas aufgenommen wie ein langersehntes Zuhause. Der Blick auf das Schwarze Meer gehört zu unserem Alltag, nie zur Sensation, aber immer zur Erinnerung daran, dass wir hier das gefunden haben, was uns gefehlt hat. Wohin andere für ein paar Tage im Urlaub kommen, wo sie Fotos machen und versprechen, irgendwann zurückzukehren, dort stehen wir morgens auf, trinken unseren Kaffee und sind einfach daheim. Dieser Gedanke trägt, er macht dankbar, er macht demütig. Man lebt anders, wenn man weiß, dass man angekommen ist.
Es gab nie ernsthafte Probleme, nie den Moment, in dem wir dachten, dass dieser Schritt ein Fehler hätte sein können, wir haben ein Leben gefunden, das uns atmen lässt. Ein Leben ohne den Druck, der uns früher begleitet hat, ein Alltag, der frei, ruhig und doch voller Energie ist. Hier braucht man nicht viel, um glücklich zu sein, man muss nur den Mut haben, dorthin zu gehen, wo das eigene Herz aufhört, Widerstand zu leisten.
Sechs Jahre sind vergangen und wir wissen, dass wir diesen Ort nicht mehr verlassen werden. Das Schwarze Meer ist unser Horizont geworden, Burgas unsere Basis, Bulgarien unser Zuhause. Wir sind dankbar, dass wir hier leben dürfen, dankbar für jeden Morgen, der uns zeigt, dass der mutigste Schritt unseres Lebens zugleich der richtige war.
Heute, an diesem besonderen Jahrestag, haben wir uns daran erinnert, warum wir damals losgefahren sind und warum wir geblieben sind. Wir sind über den Weihnachtsmarkt in Burgas geschlendert, Hand in Hand, eingehüllt in diese sanfte winterliche Stimmung, die hier am Meer immer ein wenig anders wirkt. Zwischen den Lichtern, dem Duft nach Süßem und Gegrilltem, dem warmen Murmeln der Menschen haben wir gemerkt, wie sehr uns dieser Ort vertraut geworden ist. Nicht nur geografisch, sondern menschlich, er hat uns aufgenommen, und heute fühlte es sich an, als würde er uns gratulieren.
Danach sind wir in unser Lieblingsrestaurant gegangen, das kleine Stück Heimat im Herzen unserer neuen Heimat. Es war wie immer, gute Menschen, gutes Essen, dieses Gefühl, willkommen zu sein. Wir haben dort den Tag gefeiert, leise, bewusst, mit dem Wissen wie selten echte Zufriedenheit geworden ist und wie privilegiert man sich fühlen darf, wenn sie der eigene Alltag geworden ist.
Jetzt klingt dieser Tag langsam aus. Das Schwarze Meer liegt ruhig draußen, die Wohnung ist warm, und wir stoßen mit einem der besten Rakia dieser Region an. Ein Getränk, das so stark und klar ist wie der Weg, den wir vor sechs Jahren eingeschlagen haben. Es ist ein Moment voller Dankbarkeit, voller Freude und voller Gewissheit, dass wir genau da leben, wo wir leben sollen. In Burgas, unserer Heimat, für immer.
























