30. November 2025
An meinen freund und die leser

Wenn ein Freund sich Sorgen macht – Warum ich durch den ganzen Dreck dieser Welt gehe, ohne daran kaputtzugehen

Neulich hat mir ein guter Freund etwas gesagt, das bei mir hängen geblieben ist. Es war kein großes Drama, kein erhobener Zeigefinger, eher ein leiser Satz zwischen Tür und Angel. Er meinte, er mache sich Sorgen um mich, weil ich mich so tief in die schmutzigen Ecken der Politik, in Manipulationen, Propaganda und Machtmissbrauch hineingrabe, er habe Angst, dass mich das irgendwann auffrisst, dass ich daran kaputtgehen könnte.

Normalerweise antworte ich auf so etwas mit einem Schulterzucken und einem dummen Spruch, diesmal nicht, diesmal habe ich darüber nachgedacht, sehr lange, denn mein Freund hat recht mit einem Punkt, den ich selbst viel zu gern übersehe.

Ich wühle tatsächlich im Sumpf, freiwillig. Ich schaue mir die Schweinereien an, die andere lieber ausblenden, ich lese Dinge, die einem den Magen umdrehen, ich analysiere, wer wen belügt, verrät, verkauft. Ich sehe, wie Menschen gesteuert, beruhigt, abgelenkt, gegeneinander aufgehetzt werden und dann setze ich mich hin und schreibe darüber. Hart, direkt, ohne Watte drumherum, weil ich es nicht anders kann, weil es sich falsch anfühlt, den Mund zu halten.

Das ist kein Hobby wie Briefmarkensammeln, das ist auch kein „bisschen politisch interessiert sein“, das ist eine Art innerer Auftrag, ein Zwang, wenn man ehrlich ist. Wenn ich sehe, wie man die Leute wieder einmal für dumm verkaufen will, wie man ihnen mit moralischem Geschwätz die Realität übertüncht, dann reagiert bei mir etwas. Da ist Wut, da ist Ekel, da ist aber auch ein klarer Gedanke, das bleibt nicht unkommentiert, nicht, solange ich eine Tastatur habe.

Und ja, ich weiß genau, welche Rollenfigur in vielen Köpfen aufploppt, wenn ich so schreibe, der ist wie ein Frank Castle aus einem Marvel-Film, der Punisher. Der Mann, der nicht wegschaut, der nicht relativiert, der nicht vergisst, aber ich renne nicht mit Waffen durch die Straßen, ich erschieße niemanden, ich foltere niemanden im Keller. Meine „Waffe“ sind Artikel, meine Munition sind Fakten, Zusammenhänge, Namen, Zitate. Aber der Kern ist derselbe, ich bestrafe die Verantwortlichen, indem ich sichtbar mache was sie so gern im Dunkeln lassen würden, ich halte ihnen ihre eigene Scheiße ins Licht.

Das klingt hart und das ist es auch.

Die Sorge meines Freundes dreht sich genau darum. Er sieht, was ich mir anschaue. Er ahnt, was es mit einem Menschen macht, wenn man Tag für Tag in Lügen, Heuchelei, Korruption, Doppelmoral und Menschenverachtung herumstochert. Er kennt mich lange genug, um zu wissen, dass ich das nicht „locker nebenbei“ mache, sondern mit voller Intensität und er fragt sich, ob man so etwas dauerhaft aushalten kann, ohne irgendwann innerlich zu verrotten oder zu zerbrechen.

Die ehrliche Antwort lautet, für viele wäre es zu viel.

Wer permanent in geistigem Gift badet, wer sich die größte Drecksarbeit anschaut, die unsere Gesellschaft zu bieten hat, der riskiert, dass etwas im Inneren kippt, man wird zynisch, man traut niemandem mehr, man sieht überall nur noch die Fratze der Lüge, man verliert den Blick für das Gute, das es trotzdem gibt. Im schlimmsten Fall geht die Seele in die Knie, und der Körper zieht irgendwann nach. Schlaflosigkeit, Dauergroll, Erschöpfung, Sinnlosigkeitsgefühle, das ganze Programm.

Nur, ich bin nicht alleine unterwegs und ich bin kein blindes Opfer meiner eigenen Wut.

Ich habe eine Frau an meiner Seite, die sensibler ist als jedes Messgerät, eine Frau, die meine Psyche besser kennt, als mir manchmal lieb ist. Sie merkt, wenn mein Ton rauer wird, als er sein müsste. Sie merkt, wenn ich gereizt bin, obwohl objektiv nichts Schlimmes passiert ist. Sie merkt, wenn mich ein Thema ungewöhnlich lange nicht loslässt, sie ist mein Frühwarnsystem, mein Schutzschirm, mein Rettungsanker.

Wenn sie sagt: „Du veränderst dich gerade, du wirst zu hart, du bist nicht mehr du selbst“, dann höre ich hin, das ist nicht irgendeine nette Floskel, das ist gelebter Ernst. Ich weiß genau, dass sie mich nicht bremsen will, weil ihr meine Arbeit egal wäre, im Gegenteil. Sie schaut auf mich, weil sie mich behalten will, wie ich bin und sie hat die Erlaubnis, die Notbremse zu ziehen, wenn sie das Gefühl hat, ich steuere auf eine Wand zu.

Dazu kommt, so sehr ich im Sumpf wühle, ich wohne nicht darin.

Ich sitze nicht 24 Stunden am Tag vor dunklen Dossiers und Videos und verschwörten Hinterzimmern. Ich koche, ich esse, ich lache, ich flirte mit dem Leben. Ich fluche über kaputte Technik, freue mich wie ein Kind über funktionierende Lösungen, verfluche den einen oder anderen Hersteller, wenn mal wieder Schrott verkauft wird. Ich genieße gute Gespräche, ich genieße Ruhe, ich kann auch einfach nur in den Tag hineinleben, ohne einen Gedanken an Politiker, Lobbyisten oder Medienkampagnen zu verschwenden.

Das ist ein entscheidender Unterschied, ich lasse den Dreck nicht in mein Wohnzimmer laufen, ich arbeite damit, aber ich wohne nicht darin.

Bin ich ein „harter Hund“? Ja.

Ich habe nie zu den Menschen gehört, die beim ersten Gegenwind einknicken, ich brauche keine Watte um die Realität. Ich halte aus, dass die Welt nicht fair ist, dass Macht korrumpiert, dass viele an den Stellhebeln der Gesellschaft nicht aus Idealismus, sondern aus Eigennutz handeln. Ich halte aus, dass Leute mir meine Texte übelnehmen, mich beschimpfen, mir absurde Motive unterstellen, es berührt mich, aber es erschüttert mich nicht.

Stärke bedeutet für mich aber nicht, so zu tun, als könne mir nichts etwas anhaben. Stärke heißt, die Gefahr zu kennen und trotzdem weiterzugehen, aber mit offenen Augen. Ich bin nicht der naive Kämpfer, der denkt, er sei unverwundbar, ich weiß, dass es mich treffen kann, ich weiß, dass man irgendwann zu hart, zu bitter, zu kalt werden kann, wenn man nicht aufpasst.

Genau deshalb ist die Sorge meines Freundes nicht lächerlich, sondern wertvoll, er erinnert mich daran, dass ich mich nicht selbst zur Einweg-Waffe machen darf, dass ich nicht den Helden spielen muss, der sich für „die Sache“ bedingungslos verbrennt. Dass ich das Recht habe, auf mich zu achten, Pausen zu machen, mich zu freuen, zu genießen, zu leben.

Wer mich liest, kennt die Schärfe meiner Artikel, die Wucht, mit der ich Doppelmoral, Lügengebäude und manipulative Spielchen angreife, das ist kein Zufall, das ist Absicht. Ich will nicht streicheln, wo geschlagen werden muss, ich will nicht relativieren, wo klare Kante nötig ist, ich will nicht „beide Seiten verstehen“, wenn eine Seite bewusst betrügt.

Aber hinter dieser Härte steht kein zerstörter, verbitterter Mensch, der innerlich längst aufgegeben hat und nur noch aus Rache schreibt. Hinter dieser Härte steht jemand, der sehr genau weiß, warum er das tut, und der sich gleichzeitig nicht die Fähigkeit nehmen lässt, zu lachen, zu lieben und dankbar zu sein.

Dankbar für die Frau, die ihn auf dem Boden hält, dankbar für Freunde, die sich trauen zu sagen: „Pass auf dich auf.“ Dankbar für Leser, die verstehen, dass Klartext nicht Kälte bedeutet, sondern Verantwortung.

Ich werde weiter in den Sumpf hinabsteigen, wenn es nötig ist. Ich werde weiter in die Akten, Meldungen, Hinterzimmer und Verlautbarungen schauen, die man am liebsten tief vergraben würde. Ich werde weiter die Finger auf Wunden legen, von denen manche hoffen, dass sie niemand bemerkt. Ich werde weiterhin die Verantwortlichen mit ihren eigenen Worten konfrontieren und ihnen kein bequemes Schlupfloch lassen.

Aber ich werde das nicht als Märtyrer tun, der langsam zerbricht, sondern als jemand, der bei aller Härte nicht vergisst, Mensch zu bleiben.

Wer mich als Frank-Castle-Typ sieht, liegt nicht völlig daneben. Ich trage den Panzer, ich gehe dahin, wo es unangenehm wird, ich nehme in Kauf, dass man mich nicht überall mag, aber im Unterschied zum Comic habe ich etwas, was dort meist fehlt, ich habe ein Zuhause, eine Frau, einen Tisch, an dem gegessen und gelacht wird. Ich habe ein Leben außerhalb des Kampfes.

Und genau das macht mich stark, nicht nur der Zorn, nicht nur die Klarheit, nicht nur der Wille, Dinge aufzudecken, sondern die Fähigkeit, nach dem Schreiben den Laptop zuzuklappen, tief durchzuatmen und zu merken: Ich bin nicht der Dreck, über den ich schreibe. Ich schaue ihn mir nur an, damit andere ihn sehen müssen.

An meinen Freund also, öffentlich und direkt, danke für deine Sorge, sie ist berechtigt und sie ist ein Geschenk. Du hast recht, ich muss auf mich aufpassen, ich tue das, mit einer Frau an meiner Seite, die mich notfalls am Kragen packt. Mit einem Leben, das mehr ist als nur Kampf, mit der bewussten Entscheidung, hart zu schreiben, ohne innerlich zu versteinern.

Aufhören werde ich trotzdem nicht, denn solange es da draußen Menschen gibt, die glauben, sie könnten in Ruhe ihre Schweinereien durchziehen, weil „eh keiner hinschaut“, werde ich hinschauen. Ich werde schreiben, ich werde benennen, ich werde bestrafen, auf meine Art. Mit Worten, die treffen, mit Klartext, der nicht wegzuwischen ist.

Ein harter Hund also, ja, aber einer, der nicht im Zwinger der eigenen Verbitterung landet, dafür sorge ich. Dafür sorgt die Frau an meiner Seite und dafür sorgt am Ende auch ihr, die ihr mir schreibt, mich kritisiert, mich herausfordert und mich daran erinnert, warum ich das alles überhaupt mache.

 
 

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