Nebenkosten in Bulgarien – billig wohnen war einmal
Wer nach Bulgarien auswandert und ein Haus oder eine Wohnung kauft hört häufig noch den alten Satz: „Die Nebenkosten sind dort fast nichts.“ Das war vielleicht einmal ein überzeugendes Argument. Heute sollte man damit vorsichtig sein. Bulgarien kann beim Wohnen weiterhin günstiger als Deutschland sein, aber Strom, Wasser, Heizung, Versicherungen, Wartung und Reparaturen kosten auch hier richtiges Geld.
Strom – besonders im Winter ein Thema
Strom ist für viele Haushalte einer der größten laufenden Kostenpunkte. Das Problem ist weniger der reine Strompreis als der Verbrauch. Viele Häuser werden mit Klimaanlagen, elektrischen Heizkörpern, Boilern oder Wärmepumpen beheizt. Ein schlecht isoliertes älteres Haus kann im Winter entsprechend teuer werden.
Wer ein vermeintliches Schnäppchen auf dem Land kauft und anschließend durch alte Fenster, ungedämmte Wände und ein schlechtes Dach die Wärme nach draußen schickt, spart beim Immobilienkauf und bezahlt später jeden Winter dafür.
Wasser – günstig heißt nicht kostenlos
Wasser ist im Vergleich zu Deutschland häufig noch überschaubar, aber auch hier sind die Preise gestiegen. Hinzu kommt, dass vielerorts das warme Wasser über einen elektrischen Boiler erzeugt wird und damit wieder auf der Stromrechnung landet.
Bei Häusern sollte außerdem geklärt werden, ob Kanalisation vorhanden ist. Eine Sicker- oder Klärgrube verursacht ebenfalls Aufwand und Kosten.
Heizung und Brennstoffe
Gas spielt in vielen bulgarischen Haushalten eine wesentlich kleinere Rolle als in Deutschland. Geheizt wird je nach Region und Gebäude mit Strom, Holz, Pellets oder anderen Systemen. Holz klingt zunächst billig, bedeutet aber Beschaffung, Lagerung und Arbeit. Pelletpreise können schwanken und alte Heizsysteme sind nicht automatisch wirtschaftlich.
Ein großes Haus ist auch in Bulgarien ein großes Haus. 150 Quadratmeter wollen beheizt, gepflegt und irgendwann renoviert werden.
Steuern und Versicherungen
Die jährliche Immobiliensteuer und kommunale Abgaben sind im internationalen Vergleich häufig niedrig. Das ist tatsächlich einer der Bereiche in denen Bulgarien weiterhin angenehm sein kann.
Trotzdem würde ich eine Gebäude- beziehungsweise Hausratversicherung einplanen. Gerade bei einem eigenen Haus können Feuer, Sturm, Wasser oder andere Schäden teuer werden. Niedrige laufende Steuern ersetzen keine vernünftige Absicherung.
Wohnanlagen können zur Kostenfalle werden
Besonders genau sollte man bei Apartments in Ferien- und Wohnanlagen hinschauen. Dort können jährliche Wartungs- und Verwaltungsgebühren anfallen. Pool, Gartenanlage, Sicherheitsdienst, Aufzug, Beleuchtung und Gemeinschaftsflächen müssen schließlich bezahlt werden.
Ein günstiges Apartment für 50.000 Euro kann dadurch auf Dauer weniger günstig sein als es beim Kauf aussieht. Vor dem Kauf immer schriftlich klären, welche jährlichen Gebühren anfallen und wie diese erhöht werden können.
Reparaturen werden gerne vergessen
Der größte Fehler ist nur Strom, Wasser und Steuern als Nebenkosten zu betrachten. Ein Haus benötigt irgendwann ein neues Dach, eine Pumpe geht kaputt, die Klimaanlage muss ersetzt werden, ein Zaun muss repariert oder die Fassade erneuert werden.
Auch Handwerker und Baumaterialien sind in Bulgarien nicht mehr so billig wie früher. Wer Eigentum besitzt sollte deshalb jeden Monat Geld für Reparaturen zurücklegen, selbst wenn gerade nichts kaputt ist.
Mein Fazit
Wohnen in Bulgarien kann weiterhin günstiger sein als in Deutschland, aber „fast kostenlos“ ist Geschichte. Besonders große oder schlecht sanierte Häuser können im Winter unangenehm überraschen.
Deshalb sollte man vor Kauf oder Miete nicht nur fragen: Was kostet die Immobilie? Viel wichtiger ist, was kostet mich dieses Haus oder diese Wohnung jeden Monat und über die nächsten zehn Jahre?
Ein kleines vernünftig isoliertes Haus kann am Ende deutlich günstiger sein als die 200-Quadratmeter-Villa, die beim Besichtigungstermin wie das Schnäppchen des Lebens aussah.
Bulgarien ist nicht mehr das Billigland von früher und genau so sollte man auch seine Wohnkosten kalkulieren.